Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de


Lesen Sie HIER Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933

 

 


Schizophrenie

Als Schizophrenie wird eine Gruppe schwerer psychischer Krankheitsbilder mit ähnlichem Symptommuster bezeichnet.

Im akuten Krankheitsstadium treten bei schizophrenen Menschen eine Vielzahl charakteristischer Störungen auf, die fast alle Bereiche der Psyche betreffen: die Wahrnehmung, das Denken, die Ichfunktionen, den Willen, das Gefühls- und Gemütsleben, den Antrieb und die Psychomotorik.

Häufig werden nicht wirklich vorhandene Stimmen gehört, sogenanntes Stimmenhören. Es kann der Wahn auftreten, verfolgt, ausspioniert oder kontrolliert zu werden. Weiter kann es zu Gedankenlautwerden, Gedankenentzug oder zu Gedankeneingebung kommen. Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität sind möglich. Auch sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit und mangelnde Motivation, emotionale Verflachung und Freudlosigkeit sind oft zu beobachten. Je nach vorherrschenden Symptomen werden mehrere Subtypen der Schizophrenie unterschieden.

In vielen Fällen kommt es nach einer ersten Krankheitsphase zu Symptomfreiheit. Danach können in Schüben weitere Krankheitsphasen folgen. Bei etwa einem Drittel der Erkrankten bilden sich alle Symptome vollständig zurück, bei ungefähr einem weiteren Drittel kommt es immer wieder zu Krankheitsphasen. Beim letzten Drittel der Erkrankten ergibt sich ein chronischer Verlauf, welcher zu einer andauernden psychischen Behinderung führt.

Im klinischen Alltag in psychiatrischen Einrichtungen wurde früher bei Visiten und in Arztbriefen auch von „Morbus Bleuler“ gesprochen, um die negativ besetzte und stigmatisierende Bezeichnung Schizophrenie zu vermeiden. Früher wurden die Schizophrenie und die affektive Psychose unter dem Begriff endogene Psychose zusammengefasst.

 

Behandlung

Bis heute gelten schizophrene Störungen als nicht im eigentlichen Sinne „heilbar“. Mit Einführung der Neuroleptika verschwanden die früher praktizierten „harten Kuren“ wie Insulinschock oder Operationen am Frontallappen des Gehirns der Patienten. Heute gibt es eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, die es den Erkrankten häufig ermöglichen, ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen.

 

Medikamentöse Behandlung

In einer akuten Phase steht dabei häufig die medikamentöse Behandlung im Vordergrund; sie verbleibt jedoch unter der gesamten Behandlung die Basis der Therapie. In erster Linie werden dabei sogenannte Antipsychotika (alte Bezeichnung: Neuroleptika) eingesetzt, die spezifisch auf psychotische Symptome (positive Symptomatik, also etwa die Halluzinationen) wirken. Inwieweit die sogenannten Minus-Symptomatiken (negative Symptomatiken) wie Antriebslosigkeit, Affektverflachung oder Depressivität von Antipsychotika beeinflusst werden, ist für die meisten Präparate nicht gut belegt. Sie wirken auf den Neurotransmitterstoffwechsel ein und können oft relativ schnell die Akut-Symptomatik mildern oder beseitigen. Neuroleptika führen nicht zu einer Gewöhnung oder Abhängigkeit. In einer 2009 in Finnland landesweit durchgeführten Studie wurden die Überlebenszeiten von Patienten mit einer Schizophrenie untersucht; dabei sah man, dass Patienten im Schnitt 20 bis 25 Jahre früher starben als die finnische Normalbevölkerung; dabei war das Risiko am höchsten für die Gruppe der Patienten ohne eine medikamentöse Behandlung, am niedrigsten für die Gruppe, die mit Clozapin behandelt wurde.

 

Nicht-medikamentöse Behandlung

Eine weitere Behandlungsmethode stellt die Elektrokrampftherapie (EKT) dar, bei der unter Kurznarkose ein Krampfanfall ausgelöst wird. Der Nutzen dieser Behandlungsmethode bei Schizophrenie ist indes umstritten.

Die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie hat sich 2004 zur Elektrokrampftherapie geäußert. Sie hält fest, dass die EKT bei akuter Schizophrenie und medikamentöser Therapieresistenz zur Steigerung der Wirksamkeit (Augmentation) indiziert sein kann. Die Erfolgsquote liege in diesem Fall bei circa 80 %, und die Behandlung sei sehr sicher. Zu den Nebenwirkungen würden hauptsächlich kognitive Störungen wie Gedächtnisstörungen zählen, welche bei höchstens 30 % aller Behandlungen aufträten, bei 5–7 % jedoch schwerwiegend wären. In der Regel würden diese Störungen aber nur vorübergehend auftreten. Außerdem verursache EKT nach heutigem Kenntnisstand keine Hirnschädigungen. Diese Meinung wird auch von der Bundesärztekammer geteilt,[70] auch wenn frühere Studien das Gegenteil behaupteten.

Eine Metastudie aus dem Jahr 2010 attestiert der Elektrokrampftherapie jedoch keinen Nutzen in der Behandlung der Schizophrenie, der über einen kurzen Zeitraum nach den Schockverabreichungen hinausgeht.

 

Völkermord (Genozid)

Im Deutschen Reich in der NS-Zeit galt Schizophrenie mit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (GezVeN) vom 14. Juli 1933 als Diagnose, welche „Unfruchtbarmachung“ – sprich: Zwangssterilisation bzw. Zwangskastration – zur Folge hatte. Bei systematischen Massentötungen (Aktion T4, Aktion 14f13 und Aktion Brandt) war Schizophrenie mit ein Kriterium für die euphemistisch Euthanasie genannte Ermordung. Zwischen 220.000 und 269.500 Menschen mit Schizophrenie wurden sterilisiert oder getötet. Das sind 73 bis 100 % aller zwischen 1939 und 1945 in Deutschland an Schizophrenie Erkrankten. Die Ermordung psychiatrischer Patienten war und ist das größte Verbrechen in der Geschichte der Psychiatrie.

In der Schweiz, gerade auch in Zürich unter der Ägide von Eugen Bleuler und seinem Sohn Manfred, wurden als schizophren Diagnostizierte zwangssterilisiert.


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie

 

 

Marasmus

 

Als Marasmus (altgr. μαραίνειν marainein ‚abwischen‘, ‚austrocknen‘, ‚dahinschwinden‘) bezeichnet man einen Proteinmangel bzw. Energiemangel, der zum Abbau aller Energie- und Eiweißreserven führt (auch PEM protein-energy-malnutrition). In der Gerontologie bezeichnet Marasmus senilis den Abbau körperlicher Funktionen mit zunehmendem Alter und wird damit auch als Begriff für eine Todesursache verwendet.

Ursachen

Marasmus tritt auf, wenn ein Mensch unter genereller Unterernährung, also Mangel an Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten, leidet. Die Krankheit tritt in nicht-industrialisierten Ländern häufig auf. Sie trifft insbesondere Kinder, sobald sie von der Muttermilch entwöhnt werden und dann auf Nahrung angewiesen sind, die ihnen nicht genug Energie zur Verfügung stellt. Dieser Effekt wird dadurch noch verstärkt, dass durch die Unterernährung die Aufnahme und Verdauung von Nahrungsstoffen gestört sein kann. So zeigen Kinder mit Marasmus einen Mangel an Verdauungsenzymen und Gallensäuren, was ihre Fähigkeit, Fette über den Darm aufzunehmen, behindert. Der Abfall der Enzyme und Gallensäuren wird auf den Ausfall ihrer Produktion im Pankreas beziehungsweise der Leber zurückgeführt. Die Gallensäuren werden zusätzlich durch vermehrt vorhandene Bakterien verändert und funktionsunfähig gemacht.

Symptome und Diagnose

Auffälligstes Zeichen der Mangelernährung stellt die Gewichtsabnahme dar. Der Körper braucht seine Fettreserven, um Energie zu gewinnen. Um die Herstellung lebenswichtiger Proteine möglichst lange zu gewährleisten, kommt es auch zu einem Abbau der Muskelmasse, sowohl an Skelettmuskulatur als auch an Herzmuskulatur. Der Bauch ist in der Regel gebläht und das Gesicht wird faltig. Betroffene Kinder können unter Umständen wie Greise wirken. Des Weiteren leiden die Patienten unter Durchfällen, da der Darm atrophiert. Ödeme zeigen sich im Gegensatz zum Kwashiorkor, bei dem der Proteinmangel führend ist, beim Marasmus nicht. Puls, Blutdruck und Herzfrequenz sind verringert. Durch den Mangel an Nahrung ist auch die Widerstandskraft des Immunsystems stark herabgesetzt. Der Patient wird infolgedessen verwundbar durch zahlreiche Infektionen, die mitunter tödlich verlaufen können.

Kinder, die unter Marasmus gelitten haben, zeigen eine Wachstumsverminderung. Ein negativer Effekt auf die Intelligenz betroffener Kinder im Erwachsenenalter ist bisher umstritten. Marasmus gilt diagnostisch als gesichert, wenn ein Kind nur 60 % seines Normalgewichts oder weniger aufweist und keine Ödeme vorhanden sind. Sind Ödeme vorhanden, ist von einer Mischform aus globaler Mangelernährung und dem Eiweißmangel Kwashiorkor auszugehen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Marasmus

 


 

 

 

 

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