Philipp Freiherr von Boeselager



„Et si omnes, ego non!“
(„Selbst wenn alle mitmachen, ich nicht.“)

 Foto: Albrecht Freiherr von Boeselager

Philipp von Boeselager wird 1917 als fünftes von neun Kindern des Freiherrn Albert von Boeselager und seiner Ehefrau Freiin Maria-Theresia von Salis-Soglio auf dem Stammsitz der Familie, der Wasserburg Heimerzheim, westlich von Bonn geboren. Nach mehreren Jahren des Hausunterrichts kommt er 1928 in das Jesuiten-Internat Aloisius-Kolleg in (Bonn-)Bad Godesberg.

 

1936  Nach dem Abitur will Boeselager Jura studieren und die Diplomatenlaufbahn einschlagen. Sein Großvater rät ihm ab: „Als Diplomat bei den Nazis müsstest Du lügen. Werde Soldat.“ Er nimmt den Rat an und wird wie sein zwei Jahre älterer Bruder Georg Soldat im Kavallerie-Regiment 15 in Paderborn.

1939  Boeselager zieht als Leutnant in den Zweiten Weltkrieg.

Dezember 1941  Als Chef einer Reiterschwadron (200 Reiter) wird er vor Moskau schwer verwundet. Danach ist er nicht mehr „frontverwendungsfähig“.

Juni 1942   Er wird persönlicher Ordonanzoffizier von Generalfeldmarschall Hans-Günther von Kluge, dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront. Bei seiner Tätigkeit erfährt Boeselager von den Morden an Juden, Zigeunern u.a. hinter der Front, im sog. rückwärtigen Heeresgebiet.

Oktober 1942  In einer Gewissensnot wendet er sich an den 1. Generalstabsoffizier Kluges Henning von Tresckow. Dieser weiht ihn in seine Attentatspläne, die er schon länger verfolgt, ein. Boeselager erklärt sich bereit mitzumachen. Tresckow und Boeselager wollen den wenig aussichtsreichen Krieg beenden und die Verbrechen stoppen. Boeselager später: „Es gab keine andere Lösung, als Hitler umzubringen.“

13. März 1943  Tresckow organisiert eine Besprechung von Hitler und Himmler mit Kluge und hohen Wehrmachtsoffizieren im Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte in Smolensk. Beim Essen im Kasino soll eine Gruppe von Offizieren aus dem Generalstab und aus dem Reiterverband Hitler mit Pistolenschüssen töten. Philipp von Boeselager und sein älterer Bruder Georg sind als Attentäter bereit. Kluge verbietet aber im letzten Augenblick die Ausführung. Später sagt Philipp von Boeselager: „Hätte ich doch geschossen.“ Tresckow sorgt noch dafür, dass in das Flugzeug Hitlers ein „Geschenk“päckchen mit Sprengstoff eingeschleust wird. Dieses Attentat scheitert, weil die Zünder im unbeheizten Gepäckraum des Flugzeugs eingefroren sind.

Oktober 1943  Boeselager, der inzwischen mit seiner Reiterabteilung einen „Versuchstruppenteil“ leitet und Sprengstoffe erprobt, bringt auf Anordnung seines Bruders Georg einen Koffer mit Sprengstoff zum Oberkommando des Heeres nach Ostpreußen. Später wird das Material zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg geschafft.

Anfang Juli 1944  Henning von Tresckow bereitet Boeselager auf das Attentat mit den Worten vor: „Passen Sie auf sich auf, wir brauchen Sie bald!“
Boeselager soll eine wichtige Rolle beim Staatsstreich spielen: Zum Attentat Stauffenbergs auf Hitler soll er mit sechs Schwadronen (1.200 Reitern) seines Kavallerieregiments von der Ostfront zu einem Sammelplatz eilen. Dort sollen die Reiter auf Lkw umsteigen und zu einem Feldflugplatz bei Warschau gebracht werden. Bei einem Erfolg des Attentats sollen sie mit 20 Flugzeugen in die Hauptstadt fliegen, das Reichssicherheitshauptamt und das Propagandaministerium stürmen und Himmler und Goebbels „festsetzen.“


15. – 18. Juli 1944  Boeselager löst 200 seiner Reiter aus der Front heraus, kurz darauf werden auch die anderen in Marsch gesetzt.

20. Juli 1944  Gegen 12.43 Uhr scheitert der Versuch Stauffenbergs, Hitler im „Führerhauptquartier“ in der Wolfschanze in Ostpreußen mit Sprengstoff zu töten. Nach einem Gewaltritt – 200 Kilometer in 36 Stunden – erreicht Boeselager mit seinen Reitern gegen 15.00 Uhr den Sammelplatz zum Umsteigen in die Lkws. Wenig später lässt sein Bruder Georg ihm melden: „Alles in die alten Löcher.“ Boeselager reitet mit seinen Leuten sofort wieder zurück. Die Abwesenheit ist nicht aufgefallen, weil die Front inzwischen aufgelöst ist. Am selben Tag wird ihm das Ritterkreuz verliehen.
Die Beteiligung der Brüder Boeselager am Attentats- und Staatsstreichversuch wird nicht entdeckt. Philipp macht sogar noch Karriere und ist bei Kriegsende Kommandeur des Reiterregiments 41. Erst in den letzten Jahren seines langen Lebens stellt sich Boeselager als Zeitzeuge zur Verfügung und berichtet als einer der letzten Überlebenden aus dem inneren Kreis des militärischen Widerstands über das Geschehen. Philipp von Boeselager stirbt 2008 im Alter von 90 Jahren auf Burg Kreuzberg bei Kreuzberg an der Ahr

 


 

 

 

 

 

 

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