Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Jahreshauptversammlung 2011 des Fördervereins Mahnmal Koblenz

Die diesjährige Jahreshauptversammlung unseres Fördervereins findet am

Montag, dem 2. Mai 2011, um 18.00 Uhr in der Begegnungsstätte der Pfarrei St. Elisabeth in Koblenz-Rauental, Elisabeth-Straße 8, statt.

Dazu hat unser Vorsitzender Frank Tiedemann mit Schreiben vom 28. März 2011 alle Mitglieder herzlich eingeladen. Auf diesem Weg machen wir die

Bundesverdienstkreuz für unser Mitglied Werner Appel 12_04_2011_Bunde

Ende März 2011 erhielt unser Mitglied Werner Appel den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für seine langjährige Gedenkarbeit verliehen. Das mit ihm befreundete Ehepaar Bodo und Gertrud Zielinski war bei der Überreichung der Auszeichnung mit dabei und Bodo Zielinski hat uns dazu den nachfolgenden Bericht übermittelt:

Verleihung des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Werner Appel


Am 29.03.2011 fand im Rahmen einer kleinen Feierstunde die Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
an Herrn Werner Appel durch den Staatssekretär Michael Ebling des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur statt.
Als Gäste waren anwesend die beiden Schwestern des Geehrten Ruth und Marlene, der Kulturdezernent der Stadt Koblenz Detlev Knopp, der Vorsitzende der christlich-jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz Hans Werner Schlenzig, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig mit Frau Ursula und Bodo und Gertrud Zielinski vom Förderverein Mahnmal.
Staatssekretär Ebling betonte, dass Werner Appel für sein herausragendes Engagement das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommt.
Durch sein unermüdliches Engagement, als Zeitzeuge über seine Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zu berichten, hat er sich besondere Verdienste erworben.
Am Anfang dieses Engagements stand der Beitritt zur Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. in Koblenz Mitte der 90er Jahre. Ausgehend hiervon und von den regelmäßigen „Heimatbesuchen“, die ehemalige jüdische Koblenzerinnen und Koblenzer zu Begegnungen in seine ehemalige Heimatstadt führt, ist sein Anliegen, seine Lebensgeschichte anderen mitzuteilen und durch diese Schilderungen für Verständigung, Toleranz, Demokratie und Frieden zu werben.
2004 dokumentierte Frau Muth seine Lebensgeschichte in dem Buch „Versteckte Kinder – Trauma und Überleben der `Hidden Children` im Nationalsozialismus“.
Der Staatssekretär war von diesen Schilderungen beeindruckt und sagte:
„Ihr Schicksal verdeutlicht exemplarisch die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus, insbesondere aber seine Auswirkungen auf das alltägliche Leben einer jüdischen Familie in Koblenz. Sie erzählen diese Geschichte aus der Sicht eines Kindes bzw. eines Jugendlichen. Auf welch abenteuerliche Weise es Ihnen, ihrer Mutter und ihren Schwestern unter Mithilfe mutiger Menschen damals gelungen ist, den Verfolgungen der Gestapo und der Polizei zu entgehen, ist tief beeindruckend.“
In den nachfolgenden Jahren war Werner Appel immer wieder als Zeitzeuge aktiv. Er wirkte unter anderem in zahlreichen Veranstaltungen mit, die besonders junge Menschen ansprachen. Er wirkte in Schulen, Ausstellungen und auch im Rahmen des Begleitprogramms der vom Förderverein Mahnmal organisierten Ausstellung „Vergessen heißt Verbannung. Erinnern ist der Pfad der Erlösung“ im Oberlandesgericht Koblenz und als der „Zug der Erinnerung“ 2009 in Koblenz Station machte, stand er für ein Zeitzeugengespräch für junge Menschen zur Verfügung.
Auch für die Veranstaltungen der Landeszentrale für politische Bildung hat er sich eingebracht, vor jungen Studienreferendaren gesprochen und 2010 an einer großen Fortbildungsveranstaltung des Ministeriums für Justiz für Richter und Staatsanwälte zum Thema „Justiz und Recht im Dritten Reich“ referiert.
Herr Ebling sagte zum Abschluss unter anderem:
“Es ist mir ein großes Bedürfnis, Ihnen dafür meinen herzlichen Dank auszusprechen. Die Arbeit als Zeitzeuge und speziell Kindern und Jugendlichen von heute Einblicke in das System der Nationalsozialisten zu geben, ist eine ungemein wichtige Tätigkeit.“

Auch von unserem Förderverein herzlichen Glückwunsch an Dich, lieber Werner Appel, für Dein großes Engagement. Gern denken wir an die Zeitzeugengespräche mit Dir zurück und vor allem an den Film "Werner Appel – Jüdisches Leben und Überleben in Koblenz 1933 – 1945", den wir im Sommer 2009 mit Dir und Schülerinnen der Julius-Wegeler-Schule an den Stätten Deiner Kindheit und Jugend in Koblenz gedreht haben. Mögest Du und möge dieser einstündige Dokumentarfilm noch lange und eindringlich von Deinem Leben und Überleben in der NS-Zeit in Koblenz berichten!
Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur hat die Auszeichnung Werner Appels mit dem Bundesverdienstkreuz noch mit einer Presseerklärung gewürdigt. Auch diese hat Bodo Zielinski aus Mainz mitgebracht:



Ehrung
Ebling überreicht Bundesverdienstkreuz an Werner Appel
Für seinen außerordentlichen Einsatz um die Gedenkarbeit an die Opfer des Nationalsozialismus hat Bundespräsident Christian Wulff dem in Koblenz geborenen Werner Appel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Michael Ebling, Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, überreichte die Auszeichnung im Rahmen einer Feierstunde in Mainz. „Werner Appel hat sich große Verdienste erworben, durch sein unermüdliches Engagement als Zeitzeuge über seine sehr bewegenden Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten", so Ebling.
Der mittlerweile 82-jährige Werner Appel wurde als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter in Koblenz geboren. Mit Beginn der NS-Zeit begann für ihn ein langer Leidensweg. Obwohl Werner Appel nur die ersten Jahre seines Lebens in Koblenz verbrachte und heute in Frankfurt lebt, habe er die emotionale Bindung zur Stadt Koblenz nicht verloren. Sein Engagement im Bereich der Gedenkarbeit blieb auch aus diesem Grunde eng mit Koblenz verbunden. So sei er Mitte der 90er Jahre der christlich-jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. in Koblenz beigetreten, um das gegenseitige Verständnis von Christen und Juden zu fördern.
Darüber hinaus besuche er seit über 10 Jahren regelmäßig das Bischöfliche CusanusGymnasium in Koblenz, um als Zeitzeuge einen unmittelbaren Einblick in das von ihm erinnerte Geschehen zu geben. Ferner sei er Mitglied des Zeitzeugenpools des Pädagogischen Landesinstituts und habe in dieser Eigenschaft viele weitere Schulklassen in Rheinland-Pfalz besucht. „Mit Ihrem Auftreten in Schulen, mit Ihren persönlichen Berichten, wie Sie als Kind und Jugendlicher unter den Nazis gelitten haben, geben Sie der Geschichte ein Gesicht. Begegnungen mit Ihnen werden zu bleibenden Erlebnissen und zu authentischen Lehrstunden für Demokratie und Toleranz", würdigte Ebling. Auch für den Förderverein Mahnmal Koblenz stehe Werner Appel als Zeitzeuge zur Verfügung.
Werner Appel stand ferner auch der Buchautorin Kerstin Muth als Gesprächspartner zur Verfügung. Seine aber auch andere Lebensgeschichten seien in dem Buch „Versteckte Kinder - Trauma und Überlebende der,Hidden Children' im Nationalsozialismus" dokumentiert. Die besondere Lebensgeschichte von Werner Appel sei inzwischen sogar in einem Dokumentarfilm festgehalten. In diesem Film erzähle er Schülerinnen und Schülern aus Koblenz bei einem Gang durch die Stadt, wie er persönlich die Zeit des Nationalsozialismus in Koblenz erlebt habe. Dies sei vor allem auch ein Vermächtnis für die kommenden Generationen, denn Werner Appel sei mittlerweile der einzige noch lebende Jude, der über die NS-Zeit in Koblenz berichten könne.
„Trotz Ihres langen Leidensweges, der Verfolgung und Bedrohung, die Sie erfahren mussten, setzen Sie sich für Verständigung, Toleranz, Demokratie und Frieden ein", würdigte Staatssekretär Michael Ebling und ergänzte: „Ich freue mich sehr, dass Ihre außerordentlichen Verdienste heute mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande gewürdigt werden und dass ich Ihnen diese Auszeichnung übergeben darf."

 



 

 

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Einen Presseartikel der Wochenzeitung Blick-Aktuell vom 2. April 2011 finden Sie HIER

 


Förderverein Mahnmal Koblenz weiterhin aktiv in der Gedenkarbeit des Landes Rheinland-Pfalz.

Mit der diesjährigen Mitgliederversammlung am 2. April 2011 blickte die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit im heutigen Rheinland-Pfalz (LAG) auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück. In der Gedenkarbeit engagierte Bürger hatten sich am 1. April 2001 in Mainz mit Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz zu einem Dachverband der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zusammengeschlossen. Das Ziel war, noch besser, effektiver und öffentlichkeitswirksamer die Erinnerung an die NS-Opfer wie auch an die NS-Täter sowie an die Stätten der Verfolgung und die NS-Zeit aus der Sicht der Opfer insgesamt in Rheinland-Pfalz wachzuhalten und dieses Wissen an die jüngere Generation weiter zu geben. Wie der "alte" und neue Vorsitzende der LAG, Dieter Burgard, heute Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, mit Befriedigung und Freude feststellte, ist das Konzept der LAG in den zehn Jahren voll und ganz aufgegangen und die Ziele sind zu einem guten Teil bis jetzt erreicht worden. Die LAG ist ein engagierter, kompetenter und gut vernetzter "Arm" in der zivilgesellschaftlichen Gedenkarkeit des Landes Rheinland-Pfalz geworden. Damit das so bleibt und sich weiter entwickelt, hat die Mitgliederversammlung bei den Neuwahlen bewährte "Gedenkarbeiter" in ihren Funktionen bestätigt und neue Beisitzer mit der Vorstandarbeit betraut. Dabei wurde der stellvertretende Vorsitzende des Förderevereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig, der von Beginn an Mitglied des Sprecherrats der LAG ist, als stellvertretender Vorsitzender des Sprecherrats bestätigt.




Der neue Sprecherrat der LAG (von vorn links nach hinten rechts): Joachim Hennig, stellvertretender Vorsitzender, Förderverein Mahnmal Koblenz e.V.; Dieter Burgard, Vorsitzender, Förderverein Dokumentations- und Begegnungsstätte ehemaliges KZ Hinzert; Hans-Eberhard Berkemann, Beisitzer, Förderverein Synagoge Bad Sobernheim e.V.; Renate Rosenau, Beisitzerin, Arbeitskreis NS-Zeit an der Rheinhessen-Fachklinik Alzey; Ramona Dehoff, Beisitzerin, Förderverein Projekt Osthofen e.V.; Joachim Stöckle, Beisitzer, Bezirksverband Pfalz; Eberhard Dittus, Beisitzer, Förderverein Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt/Weinstraße e.V.; Thomas Zuche, Beisitzer, AG Frieden Trier; Christof Pies, Beisitzer, Synagogenverein-Förderverein Laufersweiler/Hunsrück e.V.


Wertvoller Beitrag zu unserer Gesellschaft

Bürgerschaftliches Engagement vor Ort zwingt zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit
In Alzey strahlte die Sonne mit ca. fünfzig GedenkarbeiterInnen aus ganz Rheinland-Pfalz um die Wette. Bei herrlichem Frühlingswetter feierte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in unserem Bundesland ihr zehnjähriges Jubiläum. Der alte und neue Vorsitzende der LAG, Dieter Burgard – im Hauptberuf Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz –, nannte den Zuwachs der Mitgliederorganisationen von 19 im Jahr 2001 auf heute 47 den sichtbaren Ausdruck einer Erfolgsgeschichte. Kontinuierlich und beharrlich hätte die Arbeitsgemeinschaft auf Landesebene an Vorhaben mitgewirkt, die die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachhielten – so etwa die Neufassung des Landesarchivgesetzes, die Errichtung der Gedenkstätte am Ort des ehemaligen KZ Hinzert, die Forschungsgruppe zu Z

wangssterilisationen und Krankenmord, sowie das erste Landestreffen der Stolpersteininitiativen. „Wenn es sie nicht schon gäbe, man müsste diese Landes-AG erfinden“, stellte Burgard mit Genugtuung fest.
Das Hauptreferat der Tagung hielt Dr. Thomas Lutz von der Berliner Stiftung „Topographie des Terrors“. Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen sah er als zwei Säulen der Gedenkarbeit. Gerade die Initiativen hätten sich in den letzten Jahrzehnten durch ortsbezogene Geschichtsvermittlung profiliert. Nach dem schwedischem Motto „Grabe, wo Du stehst“ hätten bürger­schaftlich Engagierte in vielen Orten die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit erzwungen. Dabei erführen sie wachsende Anerkennung als Partner der (Kultur)Politik. Sie leisteten wirkliche Versöhnungsarbeit, indem sie die Erinnerung an „die Anderen“, die Ausgegrenzten und Ausländer(innen) – Zwangs­arbeiter(innen), Kriegsgefangene – wach hielten. Damit hätten sie zur Öffnung unserer Gesellschaft hin zu einem demokratischen und pluralistischen Gemeinwesen beigetragen. Dieses wertvolle Engagement werde leider von der Politik insgesamt noch zu wenig finanziell gefördert.
Zukünftige Aufgaben der Erinnerungsarbeit sah Lutz in dem nötigen Wissenstransfer der älteren, erfahrenen Aktiven hin zur jüngeren Generation und dem vorhandenen Fort- und Weiterbildungsbedarf der Gedenkarbeiter(innen). Auch angesichts einer sich verändernden, immer multikultureller werdenden Gesellschaft bestünde Bedarf an einer praxisbegleitenden Reflexion und Supervision der Aktiven.

Nach dieser inhaltlichen Einstimmung begrüßten die Versammelten drei neue Mitgliedsorganisationen in ihrer Runde: den Bezirksverband Pfalz, das Unabhängige Kommunikations­zentrum an der Uni Mainz e.V. und die Arbeitsgemeinschaft „Juden im Alzeyer Land“.
Ebenfalls drei Neue wurden dann in den Sprecherrat der Landes-AG gewählt: Ramona Dehoff vom Förderverein Projekt KZ Osthofen e.V., Christof Pies vom Förderkreis Synagoge Laufersweiler e.V. und Joachim Stöckle vom Bezirksverband Pfalz. Wiedergewählt wurde neben Dieter Burgard (Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert e.V.) als Vorsitzendem auch sein Stellvertreter, Joachim Hennig (Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V.). Für Kontinuität bürgen auch die gewählten Beisitzer Hans-Eberhard Berkemann (Förderverein Synagoge Sobernheim), Eberhard Dittus (Förderverein „Gedenkstätte für die NS-Opfer in Neustadt e.V.“) a.d.W.), Renate Rosenau (Arbeitsgruppe Psychiatrie im Nationalsozialismus Alzey) und Thomas Zuche (Arbeitskreis „Trier im Nationalsozialismus“ der Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V.). Sie alle stehen dafür, dass die Gedenkarbeit in den verschiedenen Regionen von Rheinland-Pfalz verankert ist und kompetent auf Landesebene vertreten wird.

(Thomas Zuche, LAG, Trier)


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