Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

„Frauchen, warum weinen Sie?“ - „Bitte kommen Sie herein und weinen Sie auch!“ –
Gedenkgang zur Erinnerung an den Novemberpogrom 1938 am 9. November 2025 um 18 Uhr in Koblenz

In diesen Tagen wird überall in Deutschland an den Pogrom 1938 („Reichspogromnacht“) erinnert. Auch in Koblenz. Das ist gerade heute wichtig und richtig.

Der vor 87 Jahren stattfindende Pogrom bedeutete einen Rückfall in die Barbarei. In einer einzigen Nacht wurden die Errungenschaften der Aufklärung, der Emanzipation, der Gedanke des Rechtsstaats und die Idee von der Freiheit des Individuums zuschanden. Seit dem 15. Jahrhundert hatte es in Mitteleuropa eine solche Judenverfolgung nicht mehr gegeben. Und dabei war der Novemberpogrom nicht – wie die im Mittelalter – ein unorganisierter, unkontrollierter Ausbruch von Gewalttätigkeiten. Vielmehr war er regelrecht programmiert und in Szene gesetzt von staatlichen und quasi-staatlichen Instanzen.

Auch heute stehen wir wieder in einer ganz schwierigen Situation. Seit Jahren breitet sich der Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, die Ausländerfeindlichkeit und der Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft krakenhaft aus. Diese Tendenzen haben sich nicht nur in Randgruppen festgesetzt, sondern auch die Mitte der Gesellschaft erreicht. Man sieht das sehr betroffen und fragt sich, ob wir als demokratisch verfasste Gesellschaft denn nichts aus unserer jüngeren fürchterlichen Geschichte gelernt haben. Das ist aber sehr nötig. Denn schon einmal fing es bei uns so an. Es endete mit dem Zweiten Weltkrieg und 60 Millionen Kriegstoten – und mit 11 Millionen toten NS-Opfern, 6 Millionen Juden und 5 Millionen nicht-jüdischen Opfern.

Deshalb ist Aufklärung, das Wissen um die Geschichte so wichtig. Das ist kein Allheilmittel gegen diese schlimme Entwicklung, aber notwendig, damit man dieser Entwicklung entgegentreten kann.

Der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz will die Erinnerung an diese Verbrechen und an ihre Opfer wachhalten. Dazu veranstaltet der Verein in Kooperation mit der Stadt am Sonntag, dem 9. November 2025, um 18.00 Uhr einen Gedenkgang. Das Motto stammt aus einem Dialog in einer verwüsteten Wohnung am 10. November 1938: „Frauchen, warum weinen Sie?“ – „Bitte kommen Sie herein und weinen Sie auch.“. Treffpunkt ist die ehemalige Synagoge „Bürresheimer Hof“ auf dem Florinsmarkt. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Joachim Hennig nimmt die Besucher mit Biografien von Koblenzer Juden und Erinnerungen an die Geschehnisse in der „Reichspogromnacht“ in Koblenz auf den Weg durch die Stadt: Durch die Gemüsegasse, „An der Liebfrauenkirche“ und Marktstraße, über den Plan, durch die Görgenstraße, vorbei am Zentralplatz, durch die Viktoriastraße und Schloßstraße, das Schloßrondell, die „Neustadt“ auf den Deinhardplatz. Der Gedenkgang endet – nach ca. 2 Stunden - am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Reichensperger Platz. Dort am Mahnmal präsentiert der Förderverein eine Freiluft-Ausstellung mit 16 selbst erarbeiteten Biografien von NS-Opfern, die selbst oder deren Eltern den Pogrom erleiden mussten. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Gedenkgang zum Novemberpogrom 1938 in Koblenz. Beginn: 9. November 2025 um 18.00 Uhr an der ehemaligen Synagoge „Bürresheimer Hof“ auf dem Florinsmarkt. Ende nach ca. 2 Stunden am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Reichensperger Platz. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die ehemalige Synagoge „Bürresheimer Hof“ auf dem Florinsmarkt.

Dieser Gedenkgang ist nun virtuell aufgearbeitet worden und auf unserer Stolpersteinseite nachvollziehbar:


https://stolpersteine.mahnmalkoblenz.de/index.php/gedenkgang-zur-erinnerung-an-den-novemberpogrom-1938