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Erinnerung an den 20. Juli 1944
Am 20. Juli 2026 jährt sich zum 82. Mal der Tag des Attentats- und Umsturzversuchs, mit dem der Diktator Adolf Hitler und die nationalsozialistische Terrorherrschaft beseitigt werden sollte. Auch heute und erst recht heute steht angesichts der „Machtergreifung“ der AfD und ihres gesichert rechtsextremen Teils dieser Widerstand als Symbol für Mut, Zivilcourage und den entschlossenen Kampf gegen Terror und Diktatur.
Das Attentatsversuch von Claus Schenk Graf von Stauffenberg fand im ostpreußischen „Führerhauptquartier“ in Rastenburg statt, der Umsturzversuch der Verschwörer vom 20. Juli 1944 in Berlin, vor allem im Bendlerblock, statt. Beides geschah und scheiterte fernab von Koblenz. Aber Menschen aus Koblenz und Umgebung waren an diesem Geschehen beteiligt, hatten es in ihrem widerständischen Engagement mit vorbereitet oder erlitten danach eigene Verfolgung.

Der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz stellt die die Bezüge des 20. Juli 1944 zu der hiesigen Koblenzer Region her. In einer Ausstellung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz auf dem Reichensperger Platz geschieht dies mit Biografien von Widerständlern und anderen NS-Opfern.
In die Ausstellung führt die nachfolgende kleine Einführung ein.:
„Erste Aufgabe ist die Wiederherstellung der vollkommenen Majestät des Rechts.“
Der 20. Juli 1944 und Widerständler aus dem heutigen nördlichen Rheinland-Pfalz
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Aus Anlass der 82. Wiederkehr des gescheiterten Attentats von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Hitler und des anschließenden missglückten Umsturzes am 20. Juli 1944 präsentiert der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. eine selbst erarbeitete Ausstellung mit Biografien von Widerständlern und anderen in diesem Zusammenhang verfolgten Personen aus dem heutigen nördlichen Rheinland-Pfalz.
Der 20. Juli 1944 ist ein schwieriges Gedenkdatum. Zum einen deshalb, weil es ein Erinnern an ein Scheitern ist. Die Verschwörer vom 20. Juli 1944 suchten die Sympathie und Unterstützung der alliierten Kriegsgegner im Kampf gegen Hitler – und fanden diese nicht.
Zum anderen bleibt das Gedenken auch deshalb schwierig, weil den Verschwörern vom 20. Juli 1944 generell keine westliche, parlamentarische Demokratie oder gar eine freiheitlich-demokratische Grundordnung wie wir sie in der Bundesrepublik begründet haben, vorschwebte. Immerhin hatten sie sich verständigt auf die Schaffung eines Rechtsstaates, der nach der jahrelangen Willkür der Terrorherrschaft Rechtssicherheit und Freiheit gewährleisten sollte. Zum Ausdruck kommt das in der vorbereiteten, aber nie veröffentlichten Regierungserklärung einer Übergangsregierung Beck/Goerdeler, die das Motto unserer Ausstellung bildet. Die beginnt mit den Worten:
Erste Aufgabe ist die Wiederherstellung der vollkommenen Majestät des Rechts. Die Regierung selbst muss darauf bedacht sein, jede Willkür zu vermeiden, sie muss sich daher einer geordneten Kontrolle durch das Volk unterstellen.
Mit dieser Ausstellung möchten wir aufzeigen, dass Widerstand und Verfolgung auch im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 keine Phänomene waren, die fernab von hier geschahen, sondern vielmehr auch von Menschen aus dem hiesigen Raum mitgetragen waren und dass sie auch hier Verfolgung erlitten.
Die Ausstellung dokumentiert Schicksale von Widerständlern im Vorfeld des Attentats: Maria Terwiel aus Boppard am Rhein (Mitglied der „Roten Kapelle“), Friedrich Erxleben aus Koblenz (Mitglied des „Solf-Kreises“) und Adolf Reichwein aus Bad Ems (Mitglied des „Kreisauer Kreises“). Im Mittelpunkt stehen der am Attentatsversuch mit beteiligte Philipp Freiherr von Boeselager aus Kreuzberg an der Ahr und der am Umsturzversuch mitwirkende, in St. Goar geborene und aufgewachsene Adolf Friedrich Graf von Schack, sowie die Mitverschwörer des 20. Juli 1944 Karl Sack aus (Bad Kreuznach-)Bosenheim und Hermann Freiherr von Lüninck. Weiterhin werden „Sippenhäftlinge“ von Widerständlern porträtiert, wie Lina Lindemann, Ehefrau des Generals der Artillerie Fritz Lindemann, die auf Burg Namedy bei ihrer Schwester, die einen Prinzen von Hohenzollern geheiratet hatte, in Gestapohaft kam, wie auch die Eheleute Sepp und Käthe Mohr aus (Neuwied-)Irlich, „Sippenhäftlinge nach einem der Führer der christlichen Gewerkschaften Jakob Kaiser. Dargestellt wird auch das Schicksal von Maria Detzel und Helene Rothländer, ehemalige Koblenzer Politikerinnen, die wie der ehemalige Zentrumspolitiker Heinrich Roth aus Montabaur im Rahmen der Aktion „Gewitter“ nach dem 20. Juli 1944 vorübergehend in Haft waren.
Wichtig sind für uns Heutige immer wieder die Gedenkreden in der Feierstunde der Bundesregierung am 20. Juli im Ehrenhof des Bendlerblocks in Berlin. Eindrucksvoll war etwa die Gedenkrede zur 60. Wiederkehr des 20. Juli im Jahr 2004. Darin erinnerte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder daran, dass der Widerstand gegen den Nationalsozialismus nicht erst 1944 begann, sondern bereits 1933, und zeigte die Breite des Widerstandes auf:
Sozialdemokraten und bürgerliche Intellektuelle, Kommunisten und bekennende Christen, aber auch viele einzelne, die einfach nur „anständige“ Deutsche sein wollten, widersetzten sich. Sie versuchten, die Opposition im Untergrund zu organisieren oder Verfolgten zu helfen. Zehntausende von ihnen wurden in die Zuchthäuser und Konzentrationslager verschleppt, ins Exil getrieben oder umgebracht. Wer der Willkür der Gewaltherrschaft auch nur Mitmenschlichkeit entgegensetzte, riskierte oft genug schon sein Leben. Doch nicht alle ließen sich einschüchtern.
Und mit Blick auf die Verschwörer des 20. Juli 1944 fährt er fort:
Viele der Angehörigen des deutschen Widerstandes gegen Hitler hatten einen langen Weg zurücklegen müssen, bis sie sich zur Auflehnung gegen den Diktator entschlossen. (…) Aber den Frauen und Männern des 20. Juli galt eines doch als wesentlich: An die Stelle der Willkür-Herrschaft musste wieder die „vollkommene Majestät des Rechts“ treten. Eine politische Ordnung, deren letzte Bestimmung es zu sein hatte, Hüterin der Freiheit und der Würde jedes einzelnen Menschen zu sein. Am 20. Juli 1944 legte ein anderes Deutschland Zeugnis ab. Seine besten Vertreter handelten aus einer Tradition heraus, die christlich oder humanistisch, vom Geist der Aufklärung oder auch preußisch geprägt war. Diese Tradition kannte einen Befehlshaber oberhalb des Staates und des Mannes an der Spitze – nämlich das eigene Gewissen.
Deshalb wurde der 20. Juli 1944 zu einem der wichtigsten Tage der neueren deutschen Geschichte. Das ist in der Tat ein großes, ein großartiges Vermächtnis. Sie haben uns auch gezeigt, dass es nichts von „Landesverrat“ hat, wenn man versucht, das eigene Land und die Menschheit insgesamt von einer barbarischen Diktatur zu befreien.

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Die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit, die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz und der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz gedenken der vor kurzem verstorbenen Hildburg-Helene Thill (1940-2026) und würdigen ihr Leben und ihre Leistungen für die Koblenzer Juden und die Erinnerungskultur in Koblenz:
Hildburg-Helene Thill ist gestorben – Großer Verlust für die Gedenkarbeit in Koblenz

Mit großer Trauer haben wir vom Tod von Frau Hildburg-Helene Thill erfahren und teilen ihn der breiten Öffentlichkeit mit. Frau Thill hat sich bis zuletzt für die Juden in und aus Koblenz und die Erinnerung an sie unermüdlich eingesetzt.
Im Jahr 1940 in Augustfehn (Ammerland) geboren, begann ihr Engagement für die Menschen und die Erinnerungskultur schon sehr früh, zu einer Zeit, als das noch sehr ungewöhnlich und unbequem war. Ab Mitte der 1970er Jahre war sie Vorsitzende der 1971 hier gegründeten Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit. Um ihre Kenntnisse zum Ursprung des Christentums über das Studium der katholischen Religion hinaus zu vertiefen, besuchte sie Vorlesungen im Fach Judaistik an der Universität Köln.
Schon Anfang der 1980er Jahre warb sie dafür, ehemalige jüdische Koblenzer zu einem „Heimatbesuch“ einzuladen. Dieser Traum erfüllte sich für Frau Thill und für andere Koblenzer Mitstreiter im Jahr 1985. Sie hatte das Treffen in der „alten Heimat“ jahrelang vorbereitet. Der Durchbruch kam vor allem mit einem Projekt zum 150-jährigen Jubiläum des Hilda-Gymnasiums im gleichen Jahr. Als Lehrerin für Deutsch und katholische Religion am Hilda-Gymnasium hatte sie Schülerinnen dafür begeistern können, Kontakte zu ehemaligen jüdischen Schülerinnen in aller Welt aufzunehmen. Die Resonanz war unerwartet und riesengroß. Viele der ehemaligen Schülerinnen und später auch andere in der Nazizeit aus Koblenz vertriebene oder geflohene Juden aus aller Welt, vor allem aus den USA, Großbritannien und Israel, meldeten sich und knüpften die Kontakte. Sie teilten nicht nur ihre Adressen mit, sondern berichteten auch über ihre Schulzeit und Jugend in Koblenz und ihre Flucht aus Hitler-Deutschland und das Schicksal ihrer Familie im Holocaust.
Das Interesse auf beiden Seiten wurde immer größer. Der erste sichtbare Erfolg des Kontakts war dann der von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit im Jahr 1985 organisierte „Heimatbesuch“. Der von Frau Thill entzündete Funke sprang über. Die „Heimatbesucher“ erzählten schriftlich und mündlich aus ihrem Leben. Auch regten sie an, in Koblenz einen Raum zur Erinnerung an die frühere jüdische Gemeinde und ihre Mitglieder einzurichten. Beides griff Frau Thill umgehend auf und setzte es in die Tat um. Im Bürresheimer Hof, der ehemaligen Koblenzer Synagoge am Florinsmarkt, richtete sie in der damaligen Kinder- und Jugendbibliothek der Stadtbibliothek einen Gedenkraum ein. Auch fasste sie die Lebenserinnerungen ehemaliger jüdischer Koblenzer zusammen in dem Buch „Lebensbilder jüdischer Koblenzer und ihre Schicksale“. Zuvor hatte sie jahrelang in Archiven, vor allem im Landeshauptarchiv und im Stadtarchiv Koblenz, zur Geschichte der Juden in Koblenz recherchiert. Beides wäre ohne die Hilfe der Stadt nicht möglich gewesen. Allerdings war diese Hilfe sehr begrenzt. Der Gedenkraum war nur von der Bibliothek aus erreichbar und in der Ausstattung sehr bescheiden. Die Fotografien, Dokumente und Texte gab es nur in Fotokopie und auf einem schwarzen Karton, beides von Frau Thill mit einigen Schülerinnen selbst zusammen- und hergestellt. Und die „Lebensbilder“ wurden von der Stadtbibliothek herausgegeben – in einer sehr kleinen Auflage und mit einem wenig haltbaren Einband. Das Buch war nach dem Erscheinen schnell vergriffen, die Ausstellung verschwand mit dem Auszug der Bibliothek aus dem Bürresheimer Hof in das Forum Confluentes.
Die Heimatbesuche ehemaliger jüdischer Koblenzer blieben aber,; sie endeten erst mit der Corona-Pandemie.
Frau Thill stellte sich weiteren Herausforderungen. Eine war der für die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz nur sehr schwer zu bewältigende Zuzug jüdischer Zuwanderer und ihrer Familienangehörigen aus der ehemaligen Sowjetunion. Frau Thill nahm diese Herausforderung an. Als ausgebildete Deutschlehrerin gab sie zweimal in der Woche Deutschunterricht und vermittelte Kenntnisse über das Judentum.
In dieser Zeit traf man Frau Thill immer wieder in den örtlichen Archiven –in alten Folianten blätternd und handschriftliche Eintragungen in ihrer Kladde machend, sowie auf verlassenen Friedhöfen im Rheinland, bei denen sie stets ihr Ehemann begleitete. 1996 und 1997 wurden die Ergebnisse ihrer Forschungen veröffentlicht: So ein Aufsatz in dem Sammelband „Spuren der Vergangenheit: Jüdisches Leben im Landkreis Cochem-Zell“ sowie ein Beitrag mit Erich Klinge über jüdische Rechtsanwälte in der Festschrift der Rechtsanwaltschaft im Oberlandesgerichtsbezirk Koblenz und zusammen mit Karl-Josef Burkard das Buch „Unter den Juden: Achthundert Jahre Juden in Boppard“.
Ihre letzten Arbeiten waren eine Dokumentation über Koblenzer jüdische Kinder und Jugendliche als Opfer des Holocaust und eine Ausstellung über Koblenzer jüdische Familien.
Die letzten Jahre lebte sie zusammen mit ihrem Ehemann in Pfaffendorf und in Südfrankreich. Hildburg-Helene Thill starb einige Tage vor Ostern. Da sie die jüdische Tradition sehr wertschätzte, hatte sie noch zum Pessach-Fest bei der Jüdischen Kultusgemeinde Matzen bestellt und sie abholen wollen. Dazu kam es dann nicht mehr. Sie starb am 24.03.2026 im Alter von 85 Jahren und hinterlässt ihren Ehemann, zwei Söhne und fünf Enkelkinder.
In Koblenz und weit darüber hinaus leben ihre Arbeiten weiter. Sie waren eine wichtige Quelle für die von Joachim Hennig verfasste 940-seitige Geschichte der Juden „Von der ‚Universitas Judeorum in Confluencia‘ zu Körperschaften des öffentlichen Rechts - Geschichte der Juden in Koblenz“, die auf der Homepage des Fördervereins Mahnmal Koblenz veröffentlicht ist.
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Bildnachlese zu den Veranstaltungen vom 27. Januar 2026
1) Die Sondersitzung des Landtags aus Anlass des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026 im Landtag in Mainz.

Landtagspräsident Hendrik Hering bei der Ansprache

Die ehemalige Leiterin der Gedenkstätte Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
Dr. Insa Eschebach bei ihrer Gedenkansprache

Ministerpräsident Alexander Schweitzer bei seiner Ansprache

Abschlussfoto aller Mitwirkenden an der Sondersitzung des Landtags
2) Gedenkstunde in der Citykirche.

Blick in den Besucherraum mit den Musikern Eleonore Cuipka (Flöte) und Werner Höss (Orgel).

Der Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Dr. Martin Schlüter bei seiner Ansprache

Oberbürgermeister David Langner bei seiner Ansprache.
3) Die Statio am Mahnmal
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Schülerinnen und Schüler der Hans-Zulliger-Schule und der Diesterweg-Schule bringen Biografien von NS-Opfern
aus Koblenz und Umgebung mit einer Rose am Mahnmal an





