Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Informationen von 2018

Für eine Straßenbenennung nach Hannelore Hermann
 
Die Erinnerung an die Novemberprogrome vor 80 Jahren am 9./10. November 1938 (sog. Reichspogromnacht), die auch in Koblenz mit zahlreichen Veranstaltungen wach gehalten wurde, rückte wieder die Verbrechen damals und die Menschen, die sie erleiden mussten, in den Vordergrund. Das nahm unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig zum Anlass, in seiner Reihe über die NS-Opfer in Koblenz für die Benennung von Straßen nach jüdischen Koblenzern zu plädieren. Seinen Appell begann er für eine Straßenbenennung nach Hannelore Hermann. Dieses Mädchen, das 1928 als "Nesthäkchen"  in die Koblenzer Familie Leopold und Johanna Hermann und deren Söhne Hans und Kurt hineingeboren wurde, hatte in Koblenz eine schöne Kindheit. Sie endete mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 und brachte vielfältige Schikanen. Schon bald begann der wirtschaftliche Abstieg und die gesellschaftliche Isolierung. Nachdem der Bruder Kurt Ende 1935 nach Palästina ausgewandert war, schwankte die Familie zwischen emigrieren und bleiben. So war die Familie von den Novemberpogromen in Koblenz betroffen. Für Hannelore war das der letzte Schultag auf einer öffentlichen Schule. Der ältere Bruder Hans schaffte noch die Flucht nach England. Die Eltern und Hannelore waren in Nazi-Deutschland gefangen. Nach weiteren Drangsalierungen wurden die in Koblenz gebliebenen drei am 22. März 1942 mit dem ersten Transport "nach dem Osten evakuiert". Dort kamen sie in den Holocaust. Als letztes Lebenszeichen schickten sie einem Sohn eine standardisierte Postkarte, dass es ihnen gut gehe.
 
Lesen Sie HIER den Artikel im "Schängel" Nr. 47 vom 21. November 2018.


 

 


 

Eine Straßenbenennung nach Dr. Heinz Kahn
 
Die Stadt Koblenz hat viele, viele Straßen, Plätze und Gassen. Und keine von ihnen ist erkennbar nach einem ehemaligen jüdischen Mitbürger, geschweige denn nach einem Opfer des Nationalsozialismus benannt. Die einzige, scheinbare Ausnahme insoweit ist die Mayer-Alberti-Straße, benannt nach den jüdischen ehemaligen Besitzern der Kuvertfabrik Mayer-Alberti (heute: Kulturfabrik), aber das wissen nur die wenigsten, zumal kein erklärendes Zusatzschild diese Informationen dazu gibt. Stattdessen sind zahlreiche Straßen und auch Plätze nach katholischen Geistlichen benannt. Dies ist ein deutliches Missverhältnis. Wenn auch Koblenz ehemals eine katholisch geprägte Stadt war - und dies auch in den Straßennamen zum Ausdruck kommen soll -, so haben es doch auch frühere jüdische Koblenzer Bürger, gerade auch die Verfolgten des NS-Regimes, verdient, mit einer Straßenbenennung geehrt zu werden. Einer, dem es gebührt, als einer der ersten jüdischen Namensgeber einer Straße in Koblenz zu sein, ist der Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, Tierarzt und langjährige Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz Dr. Heinz Kahn.
 
Unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig hat in seiner Schängel-Reihe über die Erinnerung an NS-Opfer für eine Straßenbenennung nach Heinz Kahn nachdrücklich plädiert.
 
Lesen Sie hier den Artikel im "Schängel" Nr. 48 vom 28. November 2018.



 

 


 

Für eine Straßenbenennung nach Addie Bernd
 
Unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig hat auch im zu Ende gegangenen Jahr 2018 seine Artikelserie "Erinnerung an NS-Opfer" im "Schängel" fortgesetzt. In der neuen Folge führt er das Thema Straßenbenennungen nach jüdischen Koblenzern fortgeführt. Dem Plädoyer für eine Ehrung des langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Dr. Heinz Kahn folgt die Anregung für eine Straßenbenennung nach Addie Bernd. Addie Bernd war ein "Schängel", der aus einer alteingesessenen Koblenzer Familie stammte. Während seine Eltern Sally und Paula Bernd von Koblenz aus in den Völkermord an den Juden im Osten geschickt wurden, gelang es dem nach Auschwitz deportierten Addie Bernd den Holocaust zu überleben. Nach der Befreiung kehrte er als einziger Überlebender seiner Familie in seine Heimatstadt Koblenz zurück. Sofort eröfnete er das Schuhgeschäft seiner Familie wieder und gründete die jüdische Kultusgemeinde neu. Er erwarb sich große Verdienste um den Wiederaufbau der Gemeinde. Angesichts der gescheiterten Entnazifizierung verließ er 1950 Deutschland. In den USA schuf er sich eine neue Existenzgrundlage und gründete eine Familie. Im Alter kam er gern nach Koblenz auf "Heimatbesuch" zurück. Addie Bernd starb 2001 in New York.
 
Lesen Sie HIER den Artikel im "Schängel" Nr. 50 vom 12. Dezember 2018

 

 


 

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