Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

(Hinweis: Diese Webseite ist erst 2005 entstanden - Sie lesen hier über die vorhergehenden Vereinstätigkeiten)

Im Jahr 2000 hatte die Veranstaltung unseres Fördervereins zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar mit der Gedenkstunde in einer der Innenstadtkirchen eine kleine Tradition.

In diesen Tagen begann Joachim Hennig auch mit seinen Vorträgen vor Schülerinnen und Schülern und referierte über das Thema „Verfolgung und Widerstand in Koblenz 1933-1945“. Die wohl erste Veranstaltung mit dieser Thematik fand Anfang Februar 2000 vor SchülerInnen des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums in Koblenz statt.

Zeitungsartikel aus der Rhein-Zeitung vom 3. Februar 2000 

 

Im Mai hielt Joachim Hennig über die in Boppard am Rhein geborene Widerstandskämpferin Maria Terwiel einen Vortrag beim Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück e.V. im Rheinhotel Bellevue.

Inzwischen hatte es einen Wechsel im Vorstand gegeben. Pfarrer Laux war nach seinem Eintritt in den Ruhestand und Wegzug aus Koblenz zurückgetreten, er blieb dem Verein als Ehrenvorsitzender aber weiter verbunden. Sein Nachfolger wurde der bisherige stellvertretende Vorsitzende Kalle Grundmann. Für Kalle Grundmann wurde der damalige Präsident des Oberlandesgerichts Koblenz Dr. Heinz-Georg Bamberger stellvertretender Vorsitzender. Der Schatzmeister Dieter Gube wurde durch die bisherige Beisitzerin Margot Brink ersetzt.

Bald erschien auch der 2. Teil des Aufsatzes von Joachim Hennig „Verfolgung und Widerstand in Koblenz 1933 – 1945“ in der Zeitschrift „Sachor“, Ausgabe 1/00, Seiten 5 – 27.

Auf der Grundlage dieser Veröffentlichung fand ein vertiefendes Gespräch mit Vertretern der drei Archive über eine Ausstellung mit diesem Thema statt. Dabei stellte sich heraus, dass für eine professionell erarbeitete und präsentierte Ausstellung dieser Art Kosten in Höhe von 80.000 bis 90.000 D-Mark entstünden. Das war eine Größenordnung, die für unseren sehr kleinen und finanzschwachen Verein völlig illusorisch, zumal die Errichtung und Finanzierung des Mahnmals unsere Ressourcen voll in Anspruch nehmen würden. Deshalb nahm der Verein sehr schnell Abstand von dem angedachten Projekt.

Dafür nahm die Diskussion über das Mahnmal weiter Fahrt auf. Inzwischen war man sich einig, dass Ausgangspunkt dafür zwar das Schicksal von Anna Speckhahn war, das Mahnmal aber an alle Opfer des Nationalsozialismus und damit an die gesamte Breite und Vielfalt der Verfolgung und des Widerstandes erinnern sollte.

Bald legte unser Verein den Reichensperger Platz als Standort für das Mahnmal fest, eine Grünfläche im (Bezirks-)Regierungs- und Gerichtsviertel, ganz in der Nähe des früheren Gestapo- und Gerichtsgebäudes und des Gefängnisses – also fast am „authentischen“ Ort.

Dann schrieb unser Verein zehn Künstler mit der Bitte um einen Entwurf für das Mahnmal dort an. Sieben von ihnen reichten Entwürfe ein. Die zwölfköpfige Jury unter dem Vorsitz unseres Vorsitzenden Kalle Grundmann entschied sich für den Entwurf des Traben-Trarbacher Künstlers Jürgen Waxweiler.

Nach dem später auch realisierten Entwurf besteht das Mahnmal aus zwei Sandsteinblock-Hälften (jeweils Länge 180 x Breite 80 x Höhe 230 cm) und vier rostigen Stahlkäfig-Winkeln. Auf der Schnittfläche des einen Steins ist der Text „Gedenkt der Verfolgten, Geschundenen, Ermordeten 1933 – 1945“ eingraviert. Die Schnittfläche der 2. Steinhälfte ist mit dem Text der Grundrechtsartikel unseres Grundgesetzes beschriftet. Das sollte die Mahnung sein, die Freiheit zu verteidigen und zu bewahren. Um die beiden Steinhälften sollten sich in ungeordneter Stellung dann vier jeweils drei Meter breite und drei Meter hohe Stahlelemente gruppieren. Sie sollen einen Käfig symbolisieren, der sich auflöst. Diese Symbolik des Käfigs und der Gedenk- und Mahntext auf den Steinhälften soll nach Vorstellung Waxweilers den Betrachter zum Nachdenken über Freiheit und Unfreiheit anregen.

Artikel in der Rhein-Zeitung vom 10. August 2000

 

 

Das Modell des Mahnmals wurde dann in den Räumen der Sparkasse Koblenz in einer kleinen Ausstellung präsentiert und für Spenden zur Errichtung des Mahnmals geworben.

Presseartikel von Super Sonntag HIER lesen

Presseartikel der Rhein-Zeitung HIER lesen

Zum Gedenktag 27. Januar 2001 erarbeitete Joachim Hennig wiederum kleine Biografien von NS-Opfern aus Koblenz und Umgebung, die bis zum Gedenktag in der Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz – erschienen und nachfolgend in den Teilen 1-8 für "Informationen 2000" zu lesen sind. (Teil 9-12 finden Sie dann unter "Informationen 2001")

 


 

 

„Tue recht und scheue niemand!“

Teil 1 der RZ-Serie von Joachim Hennig über Opfer des Nationalsozialisamus in Koblenz vom 9. November 2000:

Dr. Ernst Biesten

Eines der ersten Opfer der am 30. Januar 1933 an die Macht gekommenen Nationalsozialisten war der Koblenzer Polizeipräsident Biesten. Schon Anfang Februar gestalteten sie die Polizei um: Die SA, die SS und der Bund der Frontsoldaten „Stahlhelm“ ernannte man auf Anweisung Görings zur „Hilfspolizei“ und entfernte demokratische und republikanisch gesinnte Beamte  aus ihren Ämtern. Keine zwei Wochen nach der so genannten Machtergreifung wurde der Polizeipräsident Biesten, der der Zentrumspartei angehörte, wegen politischer Unzuverlässigkeit aus dem Amt vertrieben. Damit hatten die Nazis einen unerschrockenen Demokraten und entschiedenen Gegner beseitigt.

Der 1884 in Niederlahnstein geborene Biesten war seit 1914 besoldeter Beigeordneter der Stadt Koblenz und seit 1919 Dezernent und damit Chef der damals noch kommunalen Polizei in Koblenz. In dieser Eigenschaft hatte er sich  u.a. große Verdienste im Kampf gegen den aufkommenden Nationalsozialismus erworben. Stationen in diesen Auseinandersetzungen - gerade auch mit dem Gauleiter Ley und dem nationalsozialistischen „Westdeutschen Beobachter“ - waren die Demonstration der Nazis gegen die jüdischen Kaufleute Weihnachten 1926, der „Schwarze Sonntag von Nastätten“ 1926 (mit der Verhaftung von 69 Nazis, darunter auch Ley) und die Diffamierungen im Zusammenhang mit dem Lützeler Unglück 1930. Dieser ständige und harte Kampf gegen die Nazis nahm dann noch zu, nachdem Biesten - nach Verstaatlichung der Koblenzer Polizei - ab Januar 1930 erster Polizeipräsident von Koblenz geworden war.

Welch wichtiger Gegner der Nazis Biesten war, macht der Kommentar des Redakteurs des „Westdeutschen Beobachters“ zu dessen Entlassung deutlich: „In der Zeit meines jetzt rund zwölfjährigen Kampfes für Hitlers Bewegung stand ich mehr als 200 mal vor den Gerichten des Novembersystems, und nur selten hat sich ein Gegner hinterhältiger benommen wie Herr Dr. Biesten!“

Aufgrund seiner Entlassung wegen politischer Unzuverlässigkeit schaffte es Biesten jahrelang nicht, beruflich wieder Fuß zu fassen. Schließlich wurde er Prokurist und später geschäftsführender Gesellschafter einer zunächst jüdischen Schuhgroßhandlung in Frankfurt/Main.

Nach der Befreiung holten ihn die Amerikaner nach Koblenz zurück. Er wurde Polizeipräsident für den Regierungsbezirk Koblenz und war zugleich Vorsitzender der Bereinigungskommission, die im Regierungsbezirk Koblenz zunächst für die Entnazifizierung zuständig war. Biesten war Mitbegründer der CDU in Koblenz, Neuorganisator der Polizei und wäre fast Regierungspräsident von Montabaur geworden, um dann statt dessen Chef und Organisator der Rheinischen Verwaltungsschule in Cochem und  kommissarischer Landrat von Cochem zu werden. Neben Prof. Dr. Adolf Süsterhenn war Biesten maßgeblich an den Vorarbeiten für die Verfassung des Landes Rheinland-Pfalz beteiligt. Schließlich war er erster Präsident des Landesverwaltungsgerichts (Oberverwaltungsgerichts) in Koblenz und erster Vorsitzender (Präsident) des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz.

Ernst Biesten, dessen Lebensmotto lautete „Tue recht und scheue niemand“, starb 1953. Er ist auf dem Koblenzer Hauptfriedhof beigesetzt, seit einiger Zeit ist sein Grab auf dem Lageplan des Friedhofs verzeichnet. 1996 erschien über diesen „Demokraten in vier Epochen“ eine  umfangreiche Biografie.
                                                                                                   

 


 

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