Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

4. bis 7. Juli 2005
Anfang Juli 2005 war der ehemalige französische Widerstandskämpfer und KZ-Häftling Roger Detournay (78) in Begleitung seiner Tochter zu Gast in Koblenz. Eingeladen waren beide von Joachim Hennig, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins Mahnmal Koblenz.
Zur Biografie von Roger Detournay
…… von Paris ins Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar deportiert. Am 4. September 1944 ging er erneut „auf Transport“, diesmal vom KZ Buchenwald über Koblenz in das KZ-Außenlager Dernau an der Ahr, dem Lager „Rebstock“. Dort musste er mit anderen Häftlingen Zwangsarbei für Hitlers „Wunderwaffe“ V 2 leisten. Mitte Dezember 1944 wurde die Produktion der Waffe nach Artern in Thüringen verlegt, und die KZ-Häftlinge, unter ihnen auch Detournay, wurden dorthin verschleppt. Als der Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ unmittelbar bevorstand, kamen die KZ-Häftlinge auf den Evakuierungs-/Todesmarsch in Richtung Tschechien. Kurz nach dem offiziellen Kriegsende am 8. Mai 1944 wurde Roger Detournay in Prag befreit.
Das dicht gedrängte Programm in Koblenz begann für Herrn Detournay und seine Tochter am Dienstag, dem 5. Juli 2005. Vormittags besuchten sie in Begleitung von Joachim Hennig Generalstaatsanwalt Norbert Weise. Herr Weise berichtete Herrn Detournay von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz und auch des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz Mitte der 80er Jahre über das KZ-Außenlager „Rebstock“. Diese hatten nach Jahren des (Ver-)Schweigens über die dort begangenen Verbrechen zu keinen Anklagen mehr geführt. Die in diesem Verfahren entstandenen Akten waren für Herrn Detournay aber wichtige Dokumente für seine Verfolgungsgeschichte und deren Aufarbeitung.
….. Anschließend führte Generalstaatsanwalt Weise die Besucher nach Dernau. Dort konfrontierte sich Herr Detournay nach mehr als 60 Jahren erneut mit der Stätte seiner damaligen Verfolgung. Er traf auch einen Dernauer Zeitzeugen, den bekannten Eifelkrimi-Autor Jacques Berndorf und den Militärhistoriker Wolfgang Gückelhorn, die beide das KZ „Rebstock“ wieder entdeckt bzw. dokumentiert haben.
Am 6. Juli empfing Herr Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann Herrn Roger Detournay und seine Tochter in seinem Dienstzimmer und dankte ihm für sein Kommen und der Bereitschaft, über sein Leben und die Zeit der Verfolgung zu berichten. Anschließend führte Herr Detournay ein Zeitzeugengespräch mit Schülerinnen und Schülern des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums in Koblenz.
Der Besuch von Herrn Detournay und seiner Tochter fand eine große Presseresonanz. Frau Ursula Samary berichtete im überregionalen Teil der Rhein-Zeitung sehr ausführlich hierüber. Die privaten Fernsehsender Rhein-Ahr –TV und Mobil-TV strahlten einen fast zehnminütigen Bericht aus. Herr Herbert Bartas (ElToVi, Polch) erarbeitete zusammen mit Joachim Hennig eine dreiviertelstündige TV-Dokumentation hierüber.


 

Vom 4. bis 6. Juli besuchten Herr Roger Detournay und seine Tochter Claudine Tabanon auf Einladung unseres Fördervereins Koblenz und Dernau/Marienthal. Mit Herrn Detournay kam der Verein durch den Besuch von Eric Lafourcade im Jahr 2003 in Kontakt. Herr Lafourcade hatte hier zuvor nach seinem Onkel Henri Berman recherchiert, der als französischer Widerständler in Frankreich festgenommen, in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und von dort aus in das KZ-Außenlager in Dernau/Mariental an der Ahr zur Arbeit gebracht worden war. Herr Lafourcade kannte aus diesen Recherchen Herr Detournay, der als Jugendlicher dasselbe Schicksal wie Henri Berman erlitten hatte. Daraufhin ergab sich der Kontakt mit Herrn Detournay. Im Sommer 2005 war Herr Detournay dann mit seiner Tochter Claudine hier zu Besuch.

 

Roger Detournay und seine Tochter Claudine Tabanon sind am Koblenzer Hauptbahnhof eingetroffen

 

Beide trafen am 4. Juli in Koblenz ein und es schloss sich ein größeres Besuchsprogramm an. Höhepunkt war am folgenden Tag der Besuch bei Generalstaatsanwalt Norbert Weise, der Herrn Detournay – wie schon zuvor Herrn Lafourcade – anhand der Akten der Staatsanwaltschaft über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mitte der 1980er Jahre zu den Vorfällen im Lager Rebstock informierte.

in der Generalstaatsanwaltschaft mit Generalstaatsanwalt Weise

 

Anschließend fuhr er mit Herrn Detournay nach Dernau. Dort wurde die Gruppe schon von Vertretern der Verbandsgemeinde, und dem Zeitzeugen Heinz Kreuzberg ebenso erwartet wie von den Autoren Wolfgang Gückelhorn und Michael Preute/Jacques Berndorf. Sie alle gingen dann auf das Gelände des ehemaligen Bahndamms, wo seinerzeit auch die Baracken für die Häftlinge standen. Der Dernauer Winzer Kreuzberg erinnerte sich noch gut daran, wie er und auch die anderen Dernauer den täglichen Marsch der Häftlinge von diesem Lager zum Portal des Trotzenbergtunnels sahen. Der Tunnel selbst, in dem die Häftlinge den Anhänger für Hitlers „Wunderwaffe“ V2 montierten, war seit langem verschlossen. Er gehörte zu der Anlage des Regierungsbunkers, der ab Mitte der 1960er Jahre eine Zeit lang als Atombunker für die wichtigsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland hergerichtet worden war. Der 78-jährige Roger Detournay, der als 17-Jähriger hierher verschleppt worden war, konnte sich im Einzelnen nicht mehr an die Örtlichkeit und Geschehnisse erinnern. Zu bedrückend waren sie für ihn gewesen. Sehr bewegt, aber auch dankbar nahm er nach 60 Jahren aber die Berichte entgegen, die er von dem gleichaltrigen Zeitzeugen Kreuzberg und den Autoren Gückelhorn und Preute/Berndorf hörte. Der heute als Eifelkrimi-Autor bekannte Jacques Berndorf hatte in den 1980er Jahren die Geschichte des KZ-Lagers „Rebstock“ und des Regierungsbunkers mit entdeckt, weiter recherchiert und im SPIEGEL publiziert. Wolfgang Gückelhorn beschäftigte sich dann Anfang der 2000er Jahre mit der Nutzung der Tunnel zur Rüstungsproduktion.

Besuch in Dernau

Der Besuch Roger Detournays in Dernau, der ihn auch nach Marienthal führte, fand große Aufmerksamkeit. Es gab einen Bericht im Rhein-Ahr-Fernsehen und auch in der Rhein-Zeitung. Filmaufnahmen machte auch unser Filmer Herbert Bartas. Daraus entstand der zweite einstündige von unserem Förderverein erarbeitete Dokumentarfilm mit dem Titel:

„Die Tunnelanlagen von Dernau“.


Zeitungsartikel aus der Rhein-Zeitung, (Abschrift) HIER lesen

 

Am nächsten Tag waren Herr Detournay und seine Tochter auf Einladung von Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann auf Stippvisite im Rathaus.

Dann folgte ein Gespräch mit Schülerinnen und Schülern des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums im Medienladen. Diesen Zeitzeugenbericht mit anschließender Diskussion zeichnete unser Förderverein auf. Bisher gelang es noch nicht, auch hieraus eine Dokumentation zu produzieren. Sie ist aber fest geplant.

 

 

Der Besuch von Herrn Detournay und seiner Tochter Claudine klang aus mit einer Fahrt zur Loreley und einer gemütlichen Weinprobe in einem Bacharacher Weinlokal.

 

 

Am nächsten Tag verließen Roger Detournay und seine Tochter Koblenz. Auf dem Bahnhof war es ein Abschied für immer. Denn kaum nach Hause zurückgekehrt, stellten die Ärzte bei Roger Detournay eine schwere Krankheit fest, der er wenige Monate später erlag.

 


 

Bundesverdienstkreuz für Dr. Heinz Kahn

 

Dr. Heinz Kahn, seit 1987 Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, wurde am Montag, den 12. Dezember 2005 in Mainz von Ministerpräsident Kurt Beck mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Dr. Heinz Kahn, geboren in Hermeskeil bei Trier, Überlebender der KZs Auschwitz und Buchenwald, hat sich in der Nachkriegszeit mit dem Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Trier Verdienste erworben, ebenso stand er unermüdlich (und steht noch) als Zeitzeugezur Verfügung, er ist einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust.
Eine Biografie von Herrn Dr. Heinz Kahn ist unter "Dauerausstellung” zu finden, ebenso ist er in den Kurzbiografien erwähnt. Weiterhin hat der Verein einen Zeitzeugenbericht mit Dr. Heinz Kahn auf DVD erstellt.

 

 

 

 


 

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