Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Endlich erste Erfolge bei Ehrungen für NS-Täter
 
Seit einigen Jahren engagiert sich unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig gegen Ehrungen von NS-Tätern. Öffentlich begonnen hatte das im März 2017 mit Artikeln gegen die Benennung der Friedrich Syrup-Straße (nach einem NS-Kriegsverbrecher) in Koblenz-Rauental. Das ging dann weiter mit aufklärerischer Kritik an der Benennung der Fritz Michel-Straße  (und dessen Ehrenbürgerschaft) und der Hans Bellinghausen- Straße (nach einem NS-Propagandisten) in Koblenz-Neuendorf/Wallersheim und der Hanns Maria Lux Straße (nach einem NS-Lehrerfunktionär) in Koblenz-Asterstein. Jahrzehntelang vor und auch einige Jahre danach hat sich nichts getan. Jetzt - durch die Verleihung der Ehrenbürgerrechte an den früheren Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann - ist endlich Bewegung in diese Ehrungen gekommen. Die Fraktion "Die Linke" nahm diese letzte Ehrung zum Anlass, sich einmal die Liste der Ehrenbürger der Stadt Koblenz vorzunehmen und stieß dabei auf den Ehrenbürger Dr. med. Dr. phil. h.c. Fritz Michel. Die "Linke" ergriff dann die Initiative und stellte den Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerrechte für ihn. Es dauerte dann noch quälend lange, bis sich der Stadtrat mehrheitlich zum Widerruf der Ehrenbürgerrechte für den - wie Hennig ihn nennt - Menschenververstümmler Dr. Fritz Michel durchringen konnte. Weil der Stadtrat gerade dabei war, erkannte er die Ehrenbürgerrechte auch dem damaligen Generalfeldmarschall und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ab, dem Totengräber der ersten deutschen Demokratie und Steigbügelhalter Hitlers und der NS-Diktatur.
 
Inzwischen hat auch die Stadt Lahnstein die Ehrenbürgerrechte für Dr. Fritz Michel, die er sowohl für Niederlahnstein als auch für Oberlahnstein erhalten hatte, aberkannt. Infolge dieses Widerrufs beschäftigte sich der Lahnsteiner Stadtrat jetzt mit der Frage der Umbenennung der nach Dr. Fritz Michel benannten Straße in Niederlahnstein. Der Stadtrat beschloss, mit dieser nicht mehr ihn sondern seinen Vater zu ehren, der wohl Landarzt in Lahnstein gewesen war. Das rechtfertigte man mit dessen Verdiensten für Lahnstein - obwohl dieser Dr. Michel auf der offiziellen Homepage der Stadt Lahnstein weder als Ehrenbürger noch unter "Söhne und Töchter der Stadt" noch unter "Mit der Stadt verbundene Personen" auftaucht. Das ist - so Hennig -  eine Halbherzigkeit und Augenwischerei, die dadurch formal möglich ist, dass die Straße keinen Vornamen nennt sondern lediglich "Dr. Michel-Straße" heißt. Die einzige Änderung besteht darin, dass irgendwann einmal das Zusatzschild, das die Verdienste und die Ehrenbürgerschaft Dr. Fritz Michels hervorghebt, abmontiert wird. Wer Namengeber der Straße ist, bleibt aber natürlich im Bewusstsein der Bevölkerung.
 
Diesen Trick nahm jetzt das SWR Fernsehen in der Landesschau vom 18. Juni 2020 zum Anlass, einen Bericht über die Fritz-Michel-Straße und ihren Namensgeber zu senden. Darin schildert die Nichte ihrer von Dr. Fritz Michel zwangsweisen sterilisierten Tante von deren jahrzehntelangem Leiden.  Unser stellvertretender Vorsitzender gibt ebenfalls eine Stellungnahme ab. Der Fernsehbericht schließt mit der Frage, wie die Stadt Koblenz ihrerseits mit der Benennung der Fritz Michel-Straße umgehen wird. Man darf gespannt sein.
 
Sehen Sie HIER den Bericht in der Landesschau des SWR Fernsehens vom 18. Juni 2020
 
( https://www.swrfernsehen.de/landesschau-rp/sendungverpasst-102.html )

Lesen Sie HIER den Beitrag unseres Stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig im "Schängel" Nr. 27 vom 1. Juli 2020 über die Zwangssterilisationen, die vergessenen Opfer dieses schweren NS-Unrechts und die vergessenen Täter sowie die Frage, was jetzt mit der Straßenbenennung nach Dr. Fritz Michel in Koblenz und seinem Denkmal vor dem Evangelischen Stift St. Martin in Koblenz geschieht.

Auf dem Weg zu einer 'neuen' Normalität
 
Nach 2 1/2 Monaten Corona-Pause ist wieder der "Schängel" erschienen und gleich mit einem Artikel unseres stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig. In diesem knüpft Hennig an seine letzten Artikel vor 2 1/2 Monaten an und stellt fest, dass in dieser Zeit die Probleme fast dieselben geblieben sind. Vor allem grassieren die damals schon in den Blick genommenen Verschwörungstheorien. In der Zwischenzeit wabbern sie überall herum und haben sogar Beine bekommen - mit denen und für die man/frau auf die Straße geht. Damit wird - so Hennig - nur Unruhe geschürt, Menschen werden desorientiert und versucht, die Gesellschaft zu spalten. Hennig schildert, wie das NS-Regime damals Lügen inszenierte und daraus ein ganzer Lügenstaat entstand - der eine Gefolgschaft bis in den Untergang im "totalen Krieg" schuf. In 75 Jahren danach haben wir, unsere Eltern und Großeltern es erreicht, aus diesem Lügenstaat einen freiheitlichen, sozialen Rechtsstaat zu schaffen. Diesen müssen wir - trotz gewisser Unzulänglichkeiten, gegen die wir konkret angehen können und sollen - in Ehren halten , bewahren und ausbauen. Dazu gehört jetzt in der Coronakrise Ruhe zu bewahren und sich nicht von Rattenfängern verführen zu lassen. Schließlich wollen wir alle - ob jung oder alt, reich oder arm, hier zuhause oder (noch) nicht - friedlich, zufrieden und möglichst glücklich leben - und das möglichst lange.
 
Lesen Sie HIER den Beitrag von Joachim Hennig "Auf dem Weg zu einer 'neuen' Normalität" im Schängel Nr. 23 vom 3. Juni 2020

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