Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Mitgliederversammlung unseres Fördervereins:

Rechenschaftsbericht für 2020/21, Programm für 2021/22 und Neuwahl des Vorstands.

Am 4. November 2021 fand die diesjährige Mitgliederversammlung unseres Fördervereins statt – real aber coronabedingt mit großem Abstand in der Sporthalle der Coblenzer Turngesellschaft (CTG) in Neuendorf.

Herausragende Tagesordnungspunkte waren der Rechenschaftsbericht des Vorstands für das zu Ende gegangene Vereinsjahr, die Programmübersicht für das neue Jahr und die Neuwahl des Vorstrands.

 

1. Rechenschaftsbericht 2020/21.

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden Dr. Jürgen Schumacher erstattete der stellvertretende Vorsitzende Joachim Hennig den Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das zu Ende gegangene Vereinsjahr. In dem Bericht für den Zeitraum vom 28. Oktober 2020 bis 4. November 2021

hieß es:

 

Liebe Vereinsmitglieder,

das abgelaufene Jahr war für unseren Verein schwierig. Auch wir hatten unter der Corona-Pandemie zu leiden. Manches, was wir an Veranstaltungen üblicherweise machen und auch wieder machen wollten, konnten wir nicht durchführen. Aber letztlich traf uns die Corona-Krise nicht so stark. Das lag an der Struktur unseres Vereins und seinen Aktivitäten. Dadurch sind wir bislang besser durch die Corona-Pandemie gekommen als viele andere. Der eindeutige Schwerpunkt unserer Vereinsarbeit lag und liegt ja in der digitalen Präsenz und diese war trotz Corona gut möglich, sie ist sogar noch besser geworden.

Im letzten Jahr setzten wir die Erweiterung unserer Homepage zu einem „Virtuellen NS-Dokumentationszentrum Nördliches Rheinland-Pfalz“ fort. Das begann mit der Präsentation der Autobiografie eines niederländischen Widerstandskämpfers, Auschwitz-Überlebenden und „Gerechten unter den Völkern“. Nach Veröffentlichung der Lebensgeschichte von Johan F. Beckman mit dem Titel „Odyssee 1940-1945“ in der Originalfassung auf Niederländisch kam dann eine von mir ergänzte deutsche Fassung auf unsere Homepage. Auf 228 Seiten vermittelt diese Biografie, ergänzt durch viele weiterführende Anmerkungen und Abbildungen ein sehr eindrückliches und anschauliches Bild des niederländischen Widerstandes, von außerdeutschen Haftstätten und von Verfolgung und Widerstand im Konzentrationslager Auschwitz. Eine besondere Bedeutung erhält diese Autobiografie noch dadurch, dass Johan F. Beckman im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess als Zeuge vernommen wurde. Von der Vernehmung gibt es einen Tonbandmitschnitt, der in der Anlage der Bearbeitung in Deutsch als Tondokument und auch in schriftlicher Form auf unserer Homepage abgerufen werden kann.

 

Die Lebensgeschichte des niederländischen Widerstandskämpfers, NN-Häftlings, Überlebenden von Auschwitz und Gerechten unter den Völkern Johan F. Beckman können Sie HIER nachlesen und herunterladen:

International machten wir dann weiter. Meine vor einigen Jahren geschriebene Abhandlung über einen Fliegermord gegen Kriegsende in Laubenheim an der Nahe initiierte nicht nur einen Gedenkstein für den ermordeten US-Flieger am Tatort, sondern war auch Anlass für einen Filmbericht im US-amerikanischen Lokalfernsehen. In der Sendung erzählte die Nichte des Ermordeten über den Fall, und über Zoom zugeschaltet konnte ich auch noch Ergänzendes berichten. Über diese Geschichte erschien dann noch ein größerer Artikel in der Zeitschrift „Luftwaffen-Revue“, auch war sie Grundlage für Material für den Unterricht im Fach Geschichte und Gesellschaftslehre in der vom Pädagogischen Landesinstitut herausgegebenen Band „Amerikanische Präsenz in Rheinland-Pfalz – 100 Jahre“.

Die Berichte dazu können Sie unter Gedenkarbeit in Koblenz und Laubenheim im US-Fernsehen mit diesem LINK anschauen und hören

Demgegenüber beschränkten sich die Präsenzveranstaltungen zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 auf ein kurzes Gedenken unseres Vorsitzenden Jürgen Schumacher und einiger weiterer Vereinsmitglieder am Mahnmal für die NS-Opfer. Dabei brachten sie wiederum Biografien von NS-Opfern am Mahnmal an. Diesmal gedachten wir besonders 15 jüdischen Familien und Einzelpersonen. Damit eröffneten wir für Koblenz das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Anstelle der Gedenkstunde präsentierte die Stadt Koblenz einen halbstündigen Film. In ihm hielt unser Vorsitzender Jürgen Schumacher eine Ansprache, in der er auch das Schicksal der jüdischen Koblenzerin Bertha Schönewald und ihrer Familie schilderte.

Lesen Sie HIER zu den Veranstaltungen am 27. Januar 2021

Außerdem stellte die Stadt eine Stolperstein-App ins Netz, die von unserem Mitglied Ksenia Stähle-Müller miterarbeitet wurde. Mit dieser App kann man in der Innenstadt zwei Routen mit Stolpersteinen abgehen, die an den Steinen kurze biografische Hinweise zu den jeweiligen NS-Opfern geben und die dann am Mahnmal auf dem Reichensperger Platz enden.

Im März veröffentlichten wir auf unserer Homepage eine von mir erarbeitete Dokumentation über den Hunsrück-Pfarrer Paul Schneider, der in Koblenz wiederholt in Gestapohaft einsaß, von hier aus ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und dort zum Märtyrer wurde, zum „Prediger von Buchenwald“ so sein Ehrentitel. Anstoß für die mehr als 200-seitige Arbeit war die Verlegung eines Stolpersteins für Paul Schneider im Sommer 2019 hier in Koblenz und der sehr angenehme und weiterführende Kontakt zu dessen Sohn Karl Adolf Schneider. Dadurch erhielt ich eine Fülle von Informationen, Fotos und Briefen – und machte daraus die Dokumentation „‘Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.‘ Pfarrer Paul Schneider (1897-1939) und seine Familie“.

Die Publikation über Pfarrer Paul Schneider und seine Familie können Sie HIER anschauen und herunterladen

Diese Arbeit fand so viel Resonanz, dass Paul Schneiders Neffe Paul Dieterich seine Dokumentation mit Briefen von Paul Schneiders Ehefrau Margarete: „‘….Innig, Deine Gretel‘. Was Margarete Schneider ihrem Mann ins Gefängnis und Konzentrationslager schrieb.“ mir zur Verfügung stellte. Mit ergänzenden Anmerkungen und Abbildungen brachte ich sie dann auf 120 Seiten auch noch auf unsere Homepage.

Lesen Sie HIER die Dokumentation über Margarete Schneider von ihrem Neffen Paul Dieterich

Gut getan hat auch ein Leserbrief eines mir unbekannten Neuwieders in „Blick aktuell Nr. 33/2021 – Ausgabe Koblenz -, in dem er u.a. schrieb: „Das Wirken des Fördervereins Mahnmal Koblenz, das jetzt durch die Veröffentlichung einer neuen Publikation wieder in das Bewusstsein der Koblenzerinnen und Koblenzer bringt, dass es ein Leben und einen Alltag der Juden gegeben hatte, bevor der Naziterror alles zerstörte, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. (…) Initiativen wie der Förderverein Mahnmal sind daher bitter notwendig, um dazu beizutragen, dass die Menschen ihre Wachsamkeit gegenüber Rassismus, Antisemitismus und Minderheitenfeindlichkeit nicht erlahmen lassen. Der Förderverein trägt mit seiner wertvollen Arbeit daher zur Förderung und Stabilisierung unserer Demokratie bei. Dafür sei ihm gedankt.“

Eine weitere Resonanz kam von unserem Sponsor, der Dr. Wolfgang und Anita Bürkle-Stiftung in Kirn. Die Stiftung regte eine Veröffentlichung der Dokumentation als Buch an und spendete einen ganz erheblichen Betrag für dessen Realisierung. Das Buch wird zurzeit vom Verlag bearbeitet und sicher noch vor Weihnachten herauskommen.

Im Anschluss an diese beiden Publikationen bearbeitete ich noch die Erinnerungen des jüdischen Koblenzers Kurt Hermann, der in den 1980er Jahren die Geschichte seiner Kindheit und Jugend in Koblenz 1918 bis 1935 aufgezeichnet hatte. Unter dem Titel: „All das war doch so schön – aber aus meinen Lieben wurden Seifen und Lampenschirme gemacht.“ ergänzte ich diese Erinnerungen durch viele Anmerkungen und Fotos. Außerdem fügte ich diesen Erinnerungen weitere jüdischer Koblenzer bei. Alles ist seit Sommer auf 120 Seiten auf unserer Homepage zu sehen und zu lesen.

HIER kommen Sie zu den Erinnerungen von Kurt Hermann an Kindheit und Jugend in Koblenz 1918-1935

Schließlich schrieb ich noch eine Geschichte der Juden in Koblenz. Unter dem Titel: „Von der ‚Universitas Iudeorum in Confluencia‘ zu Körperschaften des öffentlichen Rechts – Geschichte der Juden in Koblenz“ verfasste ich mit zahlreichen Abbildungen, Karten, Biografien und Quellenzitaten erstmalig eine umfassende, aktuelle und leicht zugängliche Publikation zu diesem Thema. Sie ist jetzt auf 110 Seiten als 1. Teil von den Anfängen bis zur Kaiserzeit (1871) auf unserer Homepage erschienen. Der 2. Teil von der Kaiserzeit bis ins 21. Jahrhundert wird Anfang nächsten Jahres folgen.

Lesen Sie HIER den 1. Teil der Geschichte der Juden in Koblenz von den Anfängen bis zur Kaiserzeit (1871)

Fertiggestellt und in den nächsten Tagen auf der Homepage zu sehen ist dann noch der Zeitzeugenbericht des Holocaust-Überlebenden und langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz Dr. Heinz Kahn. Auch diesen Bericht habe ich mit vielen Anmerkungen und Abbildungen ergänzt. Die letztgenannten Arbeiten waren und sind der Beitrag unseres Fördervereins zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Mit DIESEM Link kommen Sie zum Zeitzeugenbericht des Jungen aus Hermeskeil, Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Monowitz, Tierarztes und langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz Dr. Heinz Kahn

Während so im letzten Jahr zahlreiche und umfangreiche Dokumentationen und Biografien entstanden und seitdem im Internet präsent sind, war die Präsenz im Übrigen sehr eingeschränkt. Lediglich drei Vorträge habe ich gehalten:

Den ersten am 11. Februar 2021 digital bei den Rotariern Mittelrhein zum Thema: „Verantwortung für das geschichtliche Erbe: Wie wird Gedenken in Zukunft aussehen?“

Den zweiten am 24. Juni 2021 in der Gedenkstätte KZ Osthofen zum Thema: „Jugend und Jugendwiderstand im Nationalsozialismus“ und

den dritten am 22. Oktober 2021 beim Deutsch-Israelischen Freundeskreis Neuwied zum Thema: „Verfolgung und Widerstand im heutigen nördlichen Rheinland-Pfalz 1933 – 1945“.

In diesem Jahr ist auch noch das eine oder andere in den Printmedien erschienen. Das war zunächst eine Artikelserie von mir im Anzeigenblatt „LokalAnzeiger – Der Schängel“ mit dem Generalthema: „Recht. Gesetz. Frieden – 200 Jahre Landgericht Koblenz“. Dort kamen in der Zeit von August bis Dezember letzten Jahres insgesamt 15 Artikel heraus. Zu Weihnachten war dann Schluss, weil der „Schängel“ wegen Corona sein Erscheinen vorläufig einstellen musste.

Seit August dieses Jahres schreibe ich wieder im „Schängel“. Diesmal in der Reihe „Kreuz-Rad-Löwe – unser Land wird 75 Jahre alt“. Gestern ist der 8. Beitrag in dieser Reihe erschienen. In beiden Schängel-Serien bin ich immer wieder auch auf NS-Opfer aus Koblenz und Umgebung eingegangen. Die Reihe zum Landesjubiläum wird bis zum Verfassungstag am 18. Mai 2022 fortgesetzt.

Schließlich ist vor wenigen Tagen eine grundlegende Orientierungshilfe zur „Holocaust Education“ herausgekommen. Unter dem Titel: „Das geht auch mich an“ bietet sie ein „fächer- und jahrgangsübergreifendes Curriculum der Holocaust Education mit Unterrichtsmaterialien für Grundschule, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II“. Die beiden Herausgeber Gerda E. H. Koch und Rainer Möller haben damit zusammen mit vielen Autoren aus dem schulischen und außerschulischen Bereich eine große Lücke für die Gedenkarbeit geschlossen. Auch ich hatte die Freude, an der mehr als 300 Seiten starken Veröffentlichung mitzuarbeiten. So sind darin auch Biografien von Widerständlern und NS-Opfern aus Koblenz und Umgebung präsentiert.

Lesern Sie HIER den Hinweis auf diese wichtige Publikation zur Holocaust Education

 

2. Programmvorschau für 2021/22

Sodann erstattete der Schatzmeister Alexander Wolff den Kassenbericht für das abgelaufene Jahr. Nachdem die Kassenprüferinnen Ilona Schumacher und Monika Sauer die sehr korrekte und übersichtliche Kassenprüfung gelobt hatten, wurde der bisherige Vorstand einstimmig, bei Enthaltung der Betroffenen, entlastet.

Anschließend gab der stellvertretende Vorsitzende Joachim Hennig einen Ausblick auf die für das nächste Vereinsjahr vorgesehenen Aktivitäten. Er führte dazu aus:

Im neuen Vereinsjahr stehen wir vor vielfältigen Herausforderungen und Aufgaben. Eine sehr große ergibt sich daraus, dass wir jetzt endlich Mieter eines Raumes im Medienladen des Kurt-Esser-Hauses am Hauptbahnhof werden. Dadurch können wir nach sechs Jahren in der Besenkammer des Mutter-Beethoven-Hauses in Ehrenbreitstein endlich und zum ersten Mal einen eigenen Raum für unsere Vereinsarbeit nutzen. Wie das im Einzelnen sein wird, ist aber noch unklar. Seit Monaten arbeiten Stadt und Medien Rheinland-Pfalz mehr oder minder intensiv am Abschluss eines Mietvertrages. Bis Ende des Jahres müssten die das aber wohl mal schaffen.

Bis dahin wird auch das Buch über Pfarrer Paul Schneider erscheinen. Es ist die erste Publikation, die im Rahmen unseres Fördervereins herauskommen wird. Sicherlich sind wir dann auch gefordert, das Buch an verschiedenen Orten und Einrichtungen vorzustellen.

Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wollen wir wieder unsere traditionellen Veranstaltungen abhalten. Das ist einmal eine Ausstellung mit dem Thema: „Rheinische jüdische und politische Emigranten in französischer Haft“. Angeregt durch eine Ausstellung im Landtag zu der Deportation von Juden aus der Pfalz und Baden (im Rahmen der sog. Bürckel-Aktion) in das südfranzösische Internierungslager Gurs wollen wir ca. 15-16 Biografien von NS-Opfern aus Koblenz und Umgebung zeigen, die aus Deutschland flohen und dann in Frankreich während des Zweiten Weltkrieges verhaftet und dann zum Teil in Auschwitz ermordet wurden. Einige Biografien habe ich schon erarbeitet, die meisten will ich aber noch recherchieren und erarbeiten.

Diese NS-Opfer stehen dann auch im Mittelpunkt des Gedenkens am 27. Januar. Dazu wollen wir wieder eine Statio am Mahnmal und anschließend eine Gedenkstunde in der Citykirche abhalten. Einzelheiten müssen noch geklärt werden.

Im Zusammenhang mit diesem Gedenken findet am 4. Februar 2022 in Koblenz eine Verlegung von Stolpersteinen statt. Als weiterer Termin steht nur noch ein Vortrag von mir bei dem Ökumenischen Männerkreis auf der rechten Rheinseite fest: am 7. April 2022, Thema ist die Geschichte der jüdischen Juristenfamilie Brasch.

Alles andere ist noch nicht terminiert, aber angedacht. Dazu gehört – wie erwähnt - die Präsentation des Zeitzeugenberichts von Dr. Heinz Kahn auf unserer Homepage und die Erarbeitung und Veröffentlichung des 2. Teils der Geschichte der Juden in Koblenz. Außerdem möchte ich – endlich – die Geschichte der jüdischen Familie Schönewald/Futter erarbeiten und präsentieren. Die von Irene Futter, geb. Schönewald aufgeschriebene Familiengeschichte ist ja seit längerem in der englischen Originalfassung auf unserer Homepage. Ich werde diese jetzt umfänglich ergänzen, auch durch Anmerkungen und Abbildungen. Dann kommt auch sie auf die Homepage.

Neben diesen konkreten Publikationen möchte ich mit einem 5. Teilprojekt unsere Homepage weiter optimieren. Das soll durch eine Überarbeitung des Kapitels Stolpersteine und auch der Biografien geschehen. Vielleicht gelingt es auch noch, das Kapitel „Stätten der Verfolgung“ zu überarbeiten.

Das 5. Teilprojekt steht allerdings noch unter gewissen Vorbehalten. Diese ergeben sich daraus, dass noch ungewiss ist, was mit dem Raum im Medienladen auf uns zukommt. Eine weitere Unwägbarkeit ergibt sich aus dem Landesjubiläum „75 Jahre Land Rheinland-Pfalz“, denn daraus könnte sich zusätzliche Arbeit ergeben. Auch steht im nächsten Jahr ein weiteres Jubiläum an: Unser Förderverein wird 25 Jahre alt. Ob und ggf. wie wir das feiern, ist noch unklar. Und das alles steht ja unter dem Vorbehalt der Corona-Pandemie.

Das sind vielfältige Herausforderungen. Und dabei werden wir alle auch nicht jünger. Ich werde mich in diesem Jahr teilweise zurückziehen. So werde ich nicht mehr für den Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz, dessen stellvertretender Vorsitzender ich bin, kandidieren. Auch werde ich nicht mehr im Wissenschaftlichen Fachbeirat zur Gedenkarbeit, der die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz berät, sein. 20 Jahre Mitarbeit in diesen landesweiten Gremien sind für mich jetzt genug. Das bedauere ich, weil wir dann von allerhand Informationen abgeschnitten werden und das nördliche Rheinland-Pfalz damit weiter abgehängt sein wird. Aber es geht nicht anders. Ich habe hier in Koblenz vor Ort noch allerhand vor, darauf muss ich mich mit meinen Möglichkeiten jetzt konzentrieren.

Vor allem liegt mir unsere Homepage am Herzen. Hier einige Zahlen, die Ihnen deren Bedeutung verdeutlichen sollen: Aktuell (Stand: 1. November 2021) haben wir auf unserer allgemeinen Homepage: 2.265.407 Besucher. Hinzu kommen Besucher in der virtuellen Ausstellung Hugo Salzmann, die auf einer Subdomain zu sehen ist. Das sind in der deutschen Fassung der Ausstellung 75.076 und in der französischen Fassung 32.710 Besucher. Das sind zusammen aktuell: 2.373.193 Besucher. Täglich sind durchschnittlich etwa 800 Besucher auf unserer Homepage und schauen sich unsere Inhalte an. Zum Jahresende werden wir deutlich mehr als 2.400.000 Besucher haben. Das dürfte deutschlandweit - jedenfalls für ehrenamtlich betreute Homepages zur Gedenkarbeit - klar die Spitze sein.

Mit der Arbeit im letzten Jahr können wir also sehr zufrieden sein. Wir haben auch viel Resonanz erfahren – vor allem von außerhalb von Koblenz. Das soll und ist für uns Ansporn, im neuen Vereinsjahr - dem 25. Jahr - unsere erfolgreiche Arbeit fortzusetzen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

3. Neuwahl des Vorstandes und der KassenprüferInnen.

Für die satzungsmäßig vorgesehene Neuwahl des Vorstandes und der KassenprüferInnen stellten sich die bisherigen Vereinsmitglieder zur Verfügung. Nicht mehr kandidierte lediglich der stellvertretende Vorsitzende Heribert Heinrich wegen der noch stärkeren Inanspruchnahme als Vorsitzender des Fördervereins Neue Synagoge Koblenz. Der Vorsitzende Dr. Jürgen Schumacher zeigte Verständnis für diese Entscheidung Heinrichs und dankte ihm für die langjährige Tätigkeit in unserem Förderverein. Er verabschiedete ihn mit den besten Wünschen für die Arbeit und für das Gelingen des Projekts „Neue Synagoge Koblenz“.

Nach der einstimmigen Neuwahl hat unser Förderverein jetzt folgenden Vorstand:

Vorsitzender: Dr. Jürgen Schumacher

Stellvertretender Vorsitzender: Joachim Hennig

Stellvertretender Vorsitzender: Eberhard Pförtner

Schriftführerin: Jutta Frankfurter

Schatzmeister: Alexander Wolff

Beisitzerin: Renate Schneider

Beisitzerin: Anette Schröter.

Kassenprüferinnen sind: Ilona Schumacher und Monika Sauer.

 

 

 

 

 

 

 

Erinnerung an den Holocaust-Überlebenden, Tierarzt und langjährigen Vorsitzenden der

Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz Dr. Heinz Kahn

 

Im Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ setzt der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. sein Erinnern an die Geschichte der Juden in Koblenz und an Einzelpersonen fort. Nach den Erinnerungen von Kurt Hermann an seine Kindheit und Jugend in Koblenz 1918-1935 unter dem Titel „‘All das war doch so schön – aber aus meinen Lieben wurden Seifen und Lampenschirme gemacht.‘ –

Jüdische Koblenzer erinnern sich an Kindheit und Jugend “ und dem 1. Teil der Geschichte der Juden in Koblenz unter dem Titel „Von der ‚Universitas Iudeorum in Confluencia‘ zu Körperschaften des öffentlichen Rechts – Geschichte der Juden in Koblenz“ wird hier jetzt der Zeitzeugenbericht von Dr. Heinz Kahn publiziert.

Unter dem Titel „Erlebnisse eines jungen deutschen Juden in Hermeskeil, Trier, Auschwitz und Buchenwald in den Jahren 1933 bis 1945“ hat Dr. Heinz Kahn als Zeitzeuge immer wieder über seine Kindheit und Jugend und sein Überleben im Holocaust berichtet. Es ist ein wichtiges Dokument der Geschichte der Juden in Koblenz, war der 2014 verstorbene Heinz Kahn doch der einzige Koblenzer Holocaust-Überlebende, der über sein Leben und Überleben ausführlich berichtet hat.

Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig hat diesen Bericht mit vielen und ausführlichen Anmerkungen sowie einer Fülle von Fotos, vor allem privaten Fotos der Familie Kahn, jetzt bearbeitet. Die Publikation trägt den Titel: „‘Du kommst zur Arbeit, Du musst überleben!‘ – Dr. Heinz Kahn (1922-2014) - Holocaustüberlebender, Tierarzt und Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz“. Das Zitat stammt von Heinz Kahns Vater Dr. Moritz Kahn. Die Worte sprach er auf der „Judenrampe“ von Auschwitz-Birkenau. Bei der Selektion dort wurde die Familie getrennt. Heinz kam als einziger zur Arbeit im KZ Auschwitz-Monowitz, seine Eltern und seine jüngere Schwester Gertrud mussten sofort in die Gaskammer in Auschwitz-Birkenau.

Ergänzend zu diesem Zeitzeugenbericht hat Hennig auch die Geschichte nach der Geschichte aufgeschrieben: wie Heinz Kahn nach der Befreiung im KZ Buchenwald nach Trier zurückkehrte, dort Gründer der jüdischen Kultusgemeinde, Tierarzt in Polch und ab 1987 langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz wurde.

Die 75-seitige Publikation kann HIER angeschaut und heruntergeladen werden.

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