Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2023

Nach zwei Jahren Unterbrechung finden in Koblenz wieder um und am Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Veranstaltungen statt. Durch die Corona-Pandemie war es unserem Förderverein nur sehr eingeschränkt möglich, am 27. Januar 2021 und 2022 der NS-Opfer aus Koblenz und Umgebung zu gedenken.

Am Gedenktag im letzten Jahr fanden immerhin - im kleinen Kreis - wieder die traditionellen Veranstaltungen am 27. Januar statt: die Statio mit Oberbürgermeister Langner und Schülerinnen und Schülern Koblenzer Schulen und die Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet in der Citykirche. Die eigens für dieses Gedenken von unserem Förderverein mit 15 Biografien erarbeitete Ausstellung „Rheinische jüdische und politische Emigranten in französischer Haft“ haben wir wegen der Corona-Beschränkungen aber nicht real zeigen können. Wir präsentieren sie aber – um eine sehr umfangreiche Einführung ergänzt und vertieft - virtuell HIER auf dieser Homepage

Aus Anlass der 80. Wiederkehr der großen Razzia auf Juden in Paris und Umgebung am 16./17. Juli 1942 („La rafle du Vél d'Hiv“) hat unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig die Ausstellung noch um weitere Biografien von rheinischen jüdischen Emigranten aus Koblenz und Umgebung ergänzt. HIER der Link dahin (dort der 2te Artikel auf der Seite)

Um und am 27. Januar dieses Jahres finden in Koblenz und an vielen anderen Orten wieder die Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wieder in den traditionellen Rahmen statt. Eine Übersicht über die Veranstaltungen im ganzen Land Rheinland-Pfalz gibt das Programmheft des Landtages zu Veranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

 

 

Das Programmheft HIER einsehen oder herunterladen

Für unseren Förderverein Mahnmal Koblenz stehen bei den Veranstaltungen Opfer im Mittelpunkt, die zu Beginn der Nazi-Herrschaft verfolgt wurden. Der Anknüpfungspunkt dafür ist, dass sich am 30. Januar die sog. Machtergreifung der Nazis am 30. Januar 1933 zum 90. Mal jährt. Beide Daten, der 27. Januar 1945 mit der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und der 30. Januar 1933 mit der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten, zeigen den furchtbaren Zusammenhang zwischen Nazidiktatur und Völkermord auf. In nur 12 Jahren errichteten und betrieben die Nazis und ihre Helfer nach einer gescheiterten Demokratie einen Verbrecherstaat. Das geschah nicht irgendwo, sondern auch hier bei uns – in Koblenz. An die Anfänge dieser Entwicklung und an die frühen NS-Opfer vor 90 Jahren wird dieses Jahr erinnert.

Das Gedenken beginnt mit der Eröffnung der Ausstellung: „‘Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.‘ – Vor 90 Jahren: Machtübernahme und frühe Opfer der Nazis in Koblenz“

am Freitag, dem 20. Januar 2023, um 19.00 Uhr in der Citykirche am Jesuitenplatz in der Koblenzer Altstadt.


Porträtiert werden darin 24 Menschen aus Koblenz und Umgebung, die in das Fadenkreuz und die Verfolgung der Nazis gerieten. Das begann schon zwei Wochen nach der Machtübernahme der Nazis Mitte Februar 1933 mit der „politischen Säuberung“, der Diffamierung und Entlassung des Koblenzer Polizeipräsidenten 
Dr. Ernst Biesten und der Kriminalisierung des Vizepräsidenten der Rheinprovinz Dr. Wilhelm Guske. Das setzte sich fort mit den systematischen Verhaftungen von Kommunisten wie dem Metternicher Jakob Newinger, dem Buchhändler Richard Christ, dem Gastwirt Winand Schnitzler, dem Redakteur Josef (Jupp) Füllenbach u.a.

Schon zwei Monate später verfolgten die Nazis und ihre Helfer ihnen politisch missliebige und jüdische Beamte und entfernten sie aus dem Dienst wie den GerichtsassessoFritz Dreyfuß und den Gerichtsreferendar Jakob Schönewald. Die nächste Verhaftungswelle galt Gewerkschaftern und Sozialdemokraten wie dem SPD-Funktionär Johann Dötsch.

Andere politische Gegner konnten noch rechtzeitig aus Hitler-Deutschland fliehen, zunächst vielfach in das unter dem Mandat des Völkerbundes stehende Saargebiet wie der KPD-Reichstagsabgeordnete Nikolaus Thielen und André Hoevel. Als sie alsbald Deutsche Reich zurückkehrten, wurden sie bestraft und dann ermordet. Andere politische Gegner wie der Koblenz-Layer Kommunist Wilhelm Rott und der Bendorfer Sozialdemokrat Hans Bauer waren später Opfer der NS-Justiz.

Auch Zeugen Jehovas wurden kriminalisiert und in Strafhaft, später auch in „Schutzhaft“ in Konzentrationslager eingesperrt wie die Neuwieder Familie Michaelis. Frühe Opfer der NS-Verbrechen waren auch Kranke, Behinderte und sozial nicht angepasste Menschen. Sie wurden zwangsweise sterilisiert wie Männer und Frauen aus Horchheim, Arenberg, und Metternich, eines dieser Opfer, Jakob R. aus Koblenz-Horchheim, wurde dann noch im Rahmen der NS-„Euthanasie“ in Hadamar ermordet.

Die Ausstellung wird vom Vorsitzenden des Fördervereins Mahnmal Koblenz Dr. Jürgen Schumacher am Freitag, dem 20. Januar 2023, um 19.00 Uhr in der Citykirche am Jesuitenplatz in der Koblenzer Innenstadt eröffnet. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Joachim Hennig, der die Ausstellung erarbeitet hat, gibt dazu eine Einführung.

Die beiden Veranstaltungen am Gedenktag selbst, die unser Förderverein mit Kooperationspartnern organisiert, beginnen am Freitag dem 27. Januar 2023, um 15.00 Uhr mit der Statio am Mahnmal auf dem Reichensperger Platz. Dabei werden Schülerinnen und Schüler der Hans-Zulliger-Schule und der Diesterwegschule die Biografien der 24 NS-Opfer am Mahnmal anhängen und Oberbürgermeister David Langner wird deren Namen verlesen.

Anschließend um 16.00 Uhr findet die Gedenkstunde in der Citykirche statt. Es sprechen Oberbürgermeister David Langner und Vorsitzender des Fördervereins Dr. Jürgen Schumacher. Schülerinnen und Schüler des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums präsentieren eine Performance. Die Gedenkstunde endet mit einem christlich-jüdischen Gebet und wird umrahmt von Musik.

Anschließend besteht Gelegenheit, die Ausstellung in der Citykirche zu besuchen. Diese ist bis Freitag, dem 10. Februar 2023, zu besichtigen.


Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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